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Schlagwort-Archive: Schwaben

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Die Augsburger Kunst- und Kulturszene ist abhängig vom Wohlwollen der örtlichen Kulturpolitik, Spenden der Privatwirtschaft und von ihrem Publikum. Im Internet ist sie zunehmend abhängig von der Sichtbarkeit ihrer eigenen Angebote bei Google und zudem von der optimierten Darstellung ihrer Webseiten auf unseren Smartphones. Der Wettbewerb ist groß: Es gibt Veranstaltungsübersichten von regionalen Redaktionen, der städtischen Behörde, von bundesweit agierenden Anbietern und es gibt Facebook. Unsere Recherche war generell voller Überraschungen: Die Tourismuszentrale ist nicht im Ranking dabei, die führende Tageszeitung in der Veranstaltungsübersicht nur Schlusslicht. Eine ganz andere Kulturredaktion scheint in Augsburg unterschätzt, ein Buchladen führt einen eigenen Online-Kalender.

Die Kriterien für die Beurteilung der Angebote: Vielfalt oder die Spezialisierung der Vernstaltungs-Inhalte – während die Generalisten wie die Neue Szene alles anzubieten versuchen, konzentrieren sich Spezialisten auf Kino- oder Literaturprogramm. Die Smartphone-Tauglichkeit der Kalenderansichten – weshalb das behördliche »Veranstaltungs-Angebot« der Stadt Augsburg keinen Spitzenplatz belegt hat. Die Sichtbarkeit in Suchmaschinen – was bringt eine gute Website, die man bei Suchabfragen nicht findet, weil man sie nicht kennt? Die Such- und Filterfunktionen um Termine nach Interessen zu sortieren – einige Anbieter glänzen hier mit Inkompetenz.

Fest steht: Es gibt keinen Veranstaltungskalender der nicht ausbaufähig wäre, doch es gibt gute. Keinen der alles abbildet aber zwei die nahe dran sind. Kombiniert man sie, erhält man schnell einen befriedigenden Gesamtüberblick über die kulturelle Vielfalt der Stadt. Sie ist berauschend. Mit unserem Ranking wollen wir auch von unserer Seite aus Transparenz schaffen, Kunst- und Kulturszene unsererseits unterstützen und im Idealfall mindestens örtlichen Anbietern Inspiration bieten, die Vermittlung zu verfeinern.

Das die führende Tageszeitung der Stadt, die Augsburger Allgemeine in unserem Ranking bisher versagt, überrascht zumindest uns. Stattdessen finden wir unter den Top 10 Veranstaltungs-Webseiten eine ganz andere Kulturredaktion, einen Buchladen und sogar drei ortsferne Portale, die ein besseres Angebot servieren als selbst die städtische Website für »Aktuelles« der Stadt Augsburg.

Die 10 besten Augsburger Veranstaltungskalender in der Übersicht:

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PLATZ 1Neue Szene //: Note: 1-
Schwerpunkt: Gesamtüberblick Augsburger Kunst- und Kultur

STÄRKE
: Der aktuell beste Überblick kommt von der Neuen Szene Augsburg. Verlässlich alle Jugend- und Popkulturtermine – Festivals, Clubkultur, Kino, Theater, Vorträge oder Lesungen, Ausstellungen, Kinder- und Sport-Events. Von Abraxas über City Club, von der Ganze(n) Bäckerei bis Parktheater Göggingen. Vom Blues über Klezmerpunk bis Musiktagebuch, selbst Jazz. Ein handytauglicher und leicht bedienbarer Kalender, bei Google auffindbar und schnell. Das Angebot füllt Nacht wie Tag, befriedigt alt und jung. Service zu Locations, redaktionelle Begleitinformationen, praktische Filterfunktionen, gute Verschlagwortung zum Weitersuchen ähnlicher Veranstaltungen. Termine können eingereicht werden.

SCHWÄCHE: Im Bereich »Bühne« oder »Ausstellungen« gibt es deutliche Lücken die sich bei den Kollegen von a3kultur schließen.

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PLATZ 2a3kultur //: Note 2+
Schwerpunkt: Gesamtüberblick Augsburger Kunst- und Kultur

STÄRKE: Dieser Terminkalender hat es in sich: Womöglich der am meisten unterschätzte Kalender, wenn es um einen Gesamtüberblick der Kulturhighlights in Augsburg geht. Die Rubriken sind so vielfältig wie die der Neuen Szene. Die Filter funktionieren einwandfrei. Viel redaktionelle Erläuterungen. Alle Termine mit ausführlichen Infos zum Veranstaltungsort, Links zu Webseiten inkl. Übersicht zu nächsten Veranstaltungen der jeweils ausgewählten Lokalität und eine Google-Map für die Anfahrt.

SCHWÄCHE: Die SEO-Optimierung für Google ist eher untergeschossig. Bei der Google-Suche nach »Veranstaltungen Augsburg« erscheinen selbst Gebetshaus Augsburg oder das Jüdische Kulturmuseum weit vorher, obgleich quantitativ weniger Inhalt. Das ist schade bei alle der Arbeit. Die Seite wird demnach Ortsfremden und Zugezogenen zunächst fremd bleiben. Minuspunkt auch: Jugend- und Clubkultur so wie Wochenendtermine für das kulturelle Nachtleben bleiben dem anspruchsvollen jungen Lesern hier – im Vergleich zur Neuen Szene nahezu erspart. Ein Ergänzungsangebot könnte hier neues Publikum bringen. Die Live-Musik-Szene-Tipps bieten zwar ein Portfolio, jedoch wird das junge Publikum auch hier eher bei der Neuen Szene fündig.

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PLATZ 3cinema.de //: Note 2
Schwerpunkt: Kinoprogramm aller Kinos in Augsburg

STÄRKE: Savoy, Liliom, Thalia, Mephisto und das CinemaxX sind die führenden Lichtspielhäuser der Innenstadt. Cinema.de ist nicht die einzige Adresse die das Programm aller Augsburger Lichtspielhäuser der Innenstadt abbildet, doch nach unserer Überzeugung die beste Adresse. Auch kino.de oder kino.augusta.de bieten einen Gesamtüberblick, doch stören hier entweder zu viele Werbeanzeigen (kino.de) oder man erschrickt vor einem steinzeitlichen user-unfreundlichem Design (kino-augusta.de). Cinema.de stellt alle Filme der Augsburger Kinolandschaft übersichtlich dar, bietet Trailer, Inhaltsbeschreibungen, Community-Bewertungen und Kontakt-Angaben zu den Kinohäusern. Das Angebot ist handyfreundlich. Für Kinoliebhaber empfehlenswert.

SCHWÄCHE: Direkte Kartenbestellung telefonisch und per Email zwar möglich, jedoch nicht per Button bei dem jeweils ausgewählten Film. Werbeanzeigen, wenn auch wenig, nerven.

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PLATZ 4Buchhandlung am Obstmarkt //: Note 3+
Schwerpunkt: Spartenangebot Augsburger Literatur und Slam Poetry

STÄRKE: Wie der Buchladen auch: Klein aber sehr fein. Inhaltlich anspruchsvolle und sehr ausgewählte Events aus den Bereichen Slam, Literatur, sofern grade aktuell auch das Brechtfestival oder Termine zu Theaterführungen. Vom Literarischen Salon über die Slammer auf der Brechtbühne, über das sanierungsbedürftige Theater hin zu literarisch-musikalischem Nachtprogramm auf der Kahnfahrt. Die relativ wenigen Kalendereinträge sind grundsätzlich redaktionell erarbeitet und erörtern das jeweilige Geschehnis. Eine anspruchsvolle Ergänzung zum Kulturkalender von a3kultur und eher ein kleiner Geheimtipp für Trüffelschweine.

SCHWÄCHE: Der Kalender lässt sich nicht bei Google finden. Es sei denn man weiß um den Namen des Ladens und das man hier Termine zur Kunst- und Kulturszene der Stadt veröffentlicht. Sehr wenige, wenn auch sehr ausgewählte Termine.

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PLATZ 5popula.de //: Note 3
Schwerpunkt: Konzerte, Kultur- und Nachtleben

STÄRKE: Eine Seite für alles. Stadt und Land. Von Curt-Frenzel-Stadion bis S-ensemble Theater mit einer herrlichen Bandbreite an Events, Locations bzw. kulturellen Geschehnissen der Stadt. Hier tummeln sich Termine vom City Club, der Kantine aber auch Termine aus Neusäß oder Stadtbergen. Folgt man einem Veranstaltungshinweis, erhält man alle weiteren Termine derselben Location. Selbst die kulinarische Stadtführung in Augsburg kann hier erscheinen. Veranstaltungen können bundesweit kostenlos hinzugefügt werden.

SCHWÄCHE: Es braucht etwas, bis man alle Funktionalität der Seite zu nutzen weiß. Selbst wenn City Club und Kantine hier auftauchen, vermisst man am Wochenende das wirkliche Spektrum der Augsburger Clubtermine oder Konzerte-Vielfalt der Stadt. Filterfunktionen recht beschränkt.

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PLATZ 6LIVEGIGS.DE //: Note 3-
Schwerpunkt: Konzerte

STÄRKE: Eine Website die das Konzert-Programm der Stadt von Ballonfabrik zur Bedroomdisco, über City Club, Kantine, Neruda bis hin zur Schwabenhalle liefert? Klingt unmöglich, schafft sie aber. Umkreissuche (in km) lässt sich variieren. Ticket sofort buchbar. Adress-Info und Routenplaner. Vor allem für die, die etwas langfristiger Planen und wissen wollen, was in den nächsten Monaten stattfinden wird, finden hier schnell einen Überblick.

SCHWÄCHE: Wenngleich viele Konzerthäuser im Portfolio auftauchen, sind nicht alle Events in den Ergebnislisten auffindbar. Insofern eine gute Ergänzung zu den detaillierteren Kalendern von Neue Szene und a3kultur.

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PLATZ 7Stadt Augsburg //: Note 3-
Schwerpunkt: Nicht erkennbar. Etwas politisch, etwas Kunst u. Kultur und etwas Touristik.

STÄRKE: In diesem Kalender können theoretisch alle Augsburger Events auftauchen. Von A Capella über Theaterkonzerte, Vorträge zur Stadtentwicklung, Einladung zu Bürgerdialogen bis hin zu der orientalischen Rundkrippe im botanischen Garten oder einem Poetry Slam. Insgesamt und offensichtlich eher für ein touristisches Publikum angelegt und für politisch an Partizipation interessierte Augsburger. Denen empfehlen wir jedoch ergänzend die Recherche der jeweiligen Partei-Angebote in Augsburg.

SCHWÄCHE: Keine optimierte Darstellung auf dem Handy. Das verschlechtert Bedien- und Lesbarkeit oder zuletzt den Spaßfaktor. Menüführung für das Weiterblättern ausbaufähig. Wenig alternative Szene, ein Geschmack von Touristik. Kein bis »sehr wenig« Angebot für Nacht- und Clubkultur. Hauptsächlich etablierte Veranstalter bzw. Augsburger Institutionen.

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PLATZ 8Kongresshalle //: Note 3-
Schwerpunkt: Großveranstaltungen, Unterhaltung und Business

STÄRKE: Breites Spektrum an meist großformatigen und publikumsstarken Events in den Bereichen Unterhaltung und Business, womit das zu erwartende Portfolio gut beschrieben ist. Die Kongresshalle ist die größte Veranstaltungshalle der Stadt und überrascht immer wieder mit jugendkulturellen Events die Strahlkraft haben: zuletzt mit der Deutschen Poetry Slam-Meisterschaft oder dem nun jährlich dort ausgetragenem Modular-Festival. Finden lassen sich hier auch Sinfoniekonzerte, Ballett, der internationale Mineralientag oder ein Nachtflohmarkt. Auch Kabarett- und Comedians wie Kurt Krömer oder Hagen Rether besetzen den Spielplan. In diesem Haus geben sich Massentauglichkeit und Hochkultur die Hand. Hier gibt es überraschende Nadeln im Heuhaufen zu finden.

SCHWÄCHE: Auch diese Seite ist nicht optimiert für die mobilen Endgeräte. Das Design wäre ausbaufähig. Insgesamt wenige Highlights. Als Mehrzweckhalle kein klares Publikumsprofil – hier ist einiges möglich und genauso vieles wohl nicht.

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PLATZ 9Flohmärkte //: Note 3-
Schwerpunkt: Floh- und Trödelmärkte

STÄRKE: Eine Übersicht derartiger Märkte haben wir andernorts online nicht finden können. Die meisten Augsburger Floh-, Trödel-, Wochen- oder Kunstmärkte auf einen Blick. Nach Postleitzahlen filterbar und optimiert für das mobile Telefon. Zu jedem Markt-Termin gibt es weiterführende Beschreibungen, Webadressen und Öffnungszeiten. Abonnierbar auch per Mail.

SCHWÄCHE: Auf der Seite heißt es: »Aktuelle Flohmarkt, Trödelmarkt und weitere Veranstaltungs-Termine in Augsburg«. Wir finden auch Wochenmärkte. Doch werden diese nicht vollständig abgebildet. Eine Filterfunktion für zukünftige Termine bevorzugter Märkte gibt es nicht.

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PLATZ 10: Augsburger Allgemeine //: Note 5
Schwerpunkt: Bisher keiner

STÄRKE: Vom AWO-Fahrdienst bis zum Gruppentreff der anonymen Alkoholiker in Krumbach. Von Achberg bis Zusmarshausen.

SCHWÄCHE: Haben wir etwas falsch gemacht? So oft wir die Seite – weil wir es nicht glauben wollten – auch besucht, getestet, Filter ausgewählt, auf dem Handy geschaut haben, das Ergebnis war niederschmetternd. Landet man auf der Veranstaltungsseite, erscheinen Termine ungeordnet. Die ersten für das kommende Jahr. Kempten, Augsburg, Günzburg, Neuburg – kein Orts- oder Postleitzahlen Filter in Sicht. Scrollt man, erscheint die Rubrik »Das läuft in den nächsten 24 Stunden«. Über den Terminen steht ein »Wann« und ein »Wo«, jedoch keine Filteroptionen. Sowohl auf dem Smartphone als auch die Desktop-Version der AZ-Veranstaltungsübersicht machen alles andere als Spaß – funktionieren tut hier nichts. Vor und zurück … wir finden einen Regionenfilter auf der Handy-Version: Von Achberg bis Zusmarshausen. Wir setzen auf »Augsburg«. Ein zweiter Filter für Kategorien: Auswahloption »––Alle––«. Wir drücken wieder auf »Suchen«. Ergebnis: »Die Suche ergab keine Treffer«. Wir beobachten das weiterhin oder sind für Rückmeldung offen und korrigieren dann gern dieses Urteil.

Hinweis: »Das Kultursozialticket ermöglicht den von der Augsburger Tafel e. V. anerkannten bedürftigen Bürgerinnen und Bürgern zum symbolischen Eintrittspreis von 1 Euro die Teilnahme an Veranstaltungen und Zugang zu Institutionen und Museen.«

WRLIA möchte mehr Augsburg im Netz:

Wiederkehrende Termine 
Augsburger Blogger
Augsburger Parteien im Netz
Augsburg-News-Telegramm
Augsburg – for Leasure and Pleasure

Und hier sind wir auf Facebooktumblrtwitter und soundcloudvon Marc Alexander Holtz
FacebookGoogle+InstagrammLinkedIntwitterXing oder im Netz
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Augsburg Gesellschaft

+++ Altersarmut: Rentner gehen im Raum Augsburg immer häufiger arbeiten +++ Flüchtlingsunterkunft Hammerschmiede wegen heftiger Proteste gestoppt +++ Benefizkonzert in der Moritzkirche sammelt über 5.000 € für Flüchtlingsorganisationen ein +++ Wohnraum für Asylbewerber im Großraum Augsburg weiterhin knapp +++ 1.395 minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge in Schwaben bisher +++ Integrations-App »Integreat« soll Flüchtlingen in Augsburg als Alltagsguide Hilfe leisten +++

Augsburg Kultur

+++ Citymanagement: Stadtfest statt Max-Fest heißt »Augsburger Sommernächte« und ist aufgrund bestehenden Haushaltsdefizit noch immer zu teuer +++ Kick-Off-Veranstaltung zum Bürgerbeteiligungsprozess »Zukunft der Theaterlandschaft« verzeichnet hohen Besucherandrang +++ Wolf Biermann, bedeutender Dichter der Nachkriegsliteratur, soll Auszeichnung in Augsburg erhalten +++ Brecht-Preis auf Brechtfestival für Schriftstellerin Silke Scheuermann +++ Augsburger Lichtspielhäuser Thalia und Liliom für abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm ausgezeichnet durch Bayerischen Filmfernsehfonds +++ Theaterkollektiv »theter« bringt seine erste Premiere »Gute Nachrichten« am 6.12. auf die Bühne +++ Team zur Durchführung des Modular-Festivals durch Stadtjugendring vorgestellt; Festival soll über 2018 hinaus existieren +++ Bildende Künstler das schwächste Glied der Kultur- u. Kreativwirtschaft der Region +++ Augsburger eRRdeKa mit »Rapunderdog« Zusatzkonzert am 23.12. (22.12. ist ausverkauft)

Augsburg Politik

+++ Stadtrat kommt 80 Forderungen von 3.000 Jugendlichen über Stadtjugendring aus 2014) schwer nach +++ Ehemaliger AfD Stadtrat Marc Zander wechselt nun zur CSU – FDP darum auf Palme +++ Claudia Roth gegen Bundeswehreinsatz in Syrien +++ Landrat Martin Sailer: Obergrenze wegen unkontrollierten Flüchtlingsstroms erreicht, innere Sicherheit nicht mehr dauerhaft zu gewährleisten +++

Augsburg Wirtschaft

+++ Arbeitslosenzahl in Augsburg Stadt und Land sinkt unter vier Prozent; 5.000 Stellen unbesetzt. Bayern niedrigste Quote im Bundesgebiet. Reaktion von AfD oder Pegida steht aus +++ Immobilienpreise in Augsburg und München stabilisieren sich nach deutlichem Anstieg auf hohem Niveau +++ Bis zu 5.000 jährliche Wahlaugsburger, aktuell 286.000 Einwohner; Prognose für 2020: 300.000 – immer weniger Baugrundstücke u. bezahlbare Wohnungen; Stadt will Flächen für 7 Millionen verkaufen. Ebenso benötigt: Kindergartenplätze, Schulen und Verkehrslösungen +++ Augsburg startet für Energiewende Projekt »Power-to-heat« +++ Sanierung von Theater und Schulen durch Freistaat mit 231 Mill. gefördert +++ Shopping: Augsburg will mehr Umsatz in die Innenstadt bringen und startet den City-Gutschein. Erfolgsaussicht unklar. +++ Bundesverkehrsminister Dobrindt gibt Signal für Bahnausbau Ulm-Augsburg. Ein Signal ist wohl Schienenvokabular. +++ Bund der Steuerzahler befürchtet bei Bahnhofsuntertunnelung Kosten in Höhe von 300 Millionen (70 Millionen bei Planungsbeginn). +++ 8. Shopping-Night und »Die Nacht der 1.000 Lichter« bringen Umsätze in die neue Augsburger Innenstadt. Der Aufwand wäre überflüssig, wenn es nicht so wäre. +++ Augsburger Medien berichten über Neue Schuh Schmid-Filiale als Hoffnungsträger für stärkere Besucherströme nahe dem Kö +++ Tourismusbilanz 2015: Irgendwas ist immer: Sommersaison zufriedenstellend aber sich vergrößernder Fachkräftemangel in Tourismusbranche. Überlegungen wie man Flüchtlinge beschleunigt in Ausbildung und damit in den Arbeitsmarkt bringen kann, scheinen hier eine Lösung.

Augsburg Stadtentwicklung

+++ Parken in Augsburg: Dringend notwendige Modernisierung des Parkleitsystems. Eva Weber stimmt einem Mehr an Mobilitäts-Service in Augsburg zu. Wenn denn Geld dafür zur Verfügung steht. +++ Augsburg nennt sich »fahrradfreundliche Stadt« und will Steigerung des Radverkehranteils von derzeit 17 auf 25 % erhöhen. Skepsis und Zweifel an der Umsetzung machen sich breit wo Dialog ausgeht. +++ AVV erhöht Preise für Bahn, Bus und Tram ab Januar. Die Erörterung der Gründe ist in Überarbeitung und erfolgt öffentlich. +++ Lechhausen im Rechtsstreit ob der Ausweitung des »Augsburger Bordellzentrums«. Proteste scheinen bisher juristisch unwirksam. +++ Sanierungspläne für Färberturm: Ende 2016 Sitz des Vereins »Bürgeraktion Textilviertel« +++ Ehemaliger Fuggerstadt-Center (zukünftig Helios-Center) soll zentrales Quartier für alle Dinge des täglichen Lebens werden, von allen Seiten begehbar sein und mehr Gastronomieflächen erhalten. Vom Bahnhofsplatz hin zum Kö im Idealfall Stilllegung für Fußgängerzone.

Augsburg Sport

+++ FCA unentschieden gegen VfL Wolfsburg, Niederlage auch gegen Bilbao. Der Augsburger Verein lädt 47 Flüchtlingskinder mit Hilfe der Organisation Übergepäck eines Flüchtlings zum Fußballspiel in das Stadion +++ Spiel der Panther im Curt-Frenzel-Stadion gegen Düsseldorf bereits ausverkauft; Kapitän Hölzer verlängert Vertrag +++

Augsburg Vermischtes

+++ Nach den aktuellen Prognosen könnte die Jahresdurchschnittstemperatur im Freistaat in diesem Jahrhundert um bis zu 4,5 Grad Celsius steigen. Erörterung der Maßnahmen erfolgt öffentlich. +++ 495 € geben Menschen in Bayern (und 460 € in Deutschland) durchschnittlich für Weihnachtsgeschenke aus (FOM-Studie) +++ Täglich sterben acht Augsburger; in 2014 waren es 150 Sterbende mehr als Neugeborene. Die AfD geht in Revision ob ihrer Flüchtlingsrethorik. +++ 300.000 für neuen Dom-Altar. Das sind 295.000 € mehr als beim Benefitzkonzert in der Moritzkirche an Spenden zusammenkam. +++ Zahl was du willst: Vom 29.11. bis Heiligabend im Zoo Augsburg +++ Wahl des neuen Hochschulpräsidenten steht kurz bevor +++ 1.500 Kinder und 21 Augsburger Schulen haben an Bio-Pausenbrot-Aktion teilgenommen +++  König von Augsburg trägt neue Frisur

Unsere Quellen gegen Nachrichten-Monokultur:

a3kultur kostenlos
Augsburger Allgemeine kostenlos bis 10 Artikel
B4B Schwaben kostenlos
BR.de / Schwaben kostenlos
DAZ kostenlos
Neue Szene kostenlos
Presse Augsburg kostenlos
Radio Augsburg kostenlos
Stadt Augsburg kostenlos
Stadtzeitung kostenlos
rt1 kostenlos

»… Soviel Glück zu sehen. Das ist einfach unglaublich.«* Der Kino-Dokumentarfilm »Happy Welcome« begleitet vier Clowns bei ihrer Tour durch acht deutsche Aufnahmeeinrichtungen und Heime für Flüchtlinge und Asylbewerber. Im Zuge der 25. Tage des unabhängigen Films in Augsburg, wird der Regisseur Walter (60) Steffen am 18.11. seine Dokumentation persönlich vor dem deutschlandweiten Kinostart vorstellen: Happy Welcome in Augsburg.

Der Film erzählt vom Lächeln, von den Auftritten der Clowns, der Tristesse des Flüchtlingsalltages, den Begegnungen mit teils traumatisierten Kindern und Erwachsenen, von Treffen mit Helfern und von Orten in diesem Land. Berührend, heiter und unterhaltsame Aspekte von einem Deutschland als ein Gastland mit einer Willkommenskultur.

»Wenn jeder darüber nachdenken würde, wie möchte ich behandelt werden, wenn ich in so einer Situation bin und dann danach reagiert, wäre das schon klasse«, sagt eine Rotkreuzhelferin. *Regisseur Walter Steffen (60) über die Produktion: »Es war die wohl glücklichste Woche meines Lebens.« Die süddeutsche schreibt »ein einfühlsamer Film, der tief berührt«.

Programm 25. Tage des unabhängigen Films Augsburg

Der contact Augsburg e.V. eröffnet den Weihnachtsmarkt. Strom und Trinkwasser werden teurer. Wohnen in Augsburg ebenso. Sido kommt nach Augsburg. Element of Crime und Hagen Rether auch. Theatersanierung entzündet Diskussionen um Haushalt und Bürgerbeteiligung. Gribl spricht mit Angela Merkel über die Flüchtlinge. Seehofer will Gribl als seinen fünften Stellvertreter. Das Projekt Augsburg City empfiehlt ReWe (?) bei einem Besuch der Innenstadt. Wir empfehlen die Lokalhelden oder einen Blick in die Moritzkirche. Außerdem Tickets für das Brechtfestival (jetzt erhältlich). Ebenso die Kültürtage (laufen), Beißer Burger (Essen) und den SLAM 2015 (seit Dienstag). Hamlet empfehlen wir auch (Ballett). Der FCA wirkte unentschieden. AfD findet Wähler. Halloween findet Fratzen. Die Welt ist trotzdem gut. So wie das Drunken Monkey und seine Craft-Biere. Apropos gut: Maria Aslan von Übergepäck eines Flüchtlings bekommt Interview auf a.tv. Vapiano und Star Wars sind in aller Munde. Das Werner geht dienstags ab sofort anschaffen und bietet kostenloses Buffet für jeden Mund. Der City Club macht Kurzurlaub. In der Glimmer Bar kann ein jeder jetzt donnerstags eigene Musik auflegen. Johannes Bühler liest über die Festung Europa. Der basic ist immer noch nicht umgezogen. attac klärt über Flüchtlingsursachen auf. Das lab30 war ein erfolgreiches Klangexperiment. Der Augsburger Presseball wird kein Klangexperiment. Wir experimentieren auf twitter. Ein Schreiberling experimentiert mit uns. Das Ponykarussell auf dem Plärrer soll abgeschafft werden (change.org). Gegen die Wildtierhaltung in Zirkusbetrieben wie Carl Busch auf dem Plärrer wird am 7.11. demonstriert.

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Die Lechkloake, wie Thomas Bernhard sie nannte, ist meine Heimat. Mein erster Eindruck: Kleingeistreguliert und konservativ – die Stadt, die Menschen und ihre Schwäbische LandeszeitungAugsburg ist Renaissance ohne Spätis zum Einkaufen nach Feierabend. Eine CSU-regierte Kommune ohne U-Bahn. Baustellen nie ohne Archäologen. 70 Chöre aber im Stadion nur Gesang zum Fußball. Osram, MAN, Rudolf Diesel kennt man und den Goldenen Saal, der es in die Top-100-App der beliebtesten Reiseziele in Deutschland gebracht hat. 

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Die Fuggerstadt die gar nichts hat, dachte ich. Dabei gibt es sogar Piraten hier, – mit weniger unheimlichen Werbeplakaten – in der Stadt an der Romantischen Straße. Die Lechkloake, die Brecht-, Mozart-, Friedens-, Renaissance- und Freie Reichsstadt. Nebst Trier und Kempten älteste Stadt Deutschlands. Deutschlandweit mit den meisten Feiertagen dank Hohem Friedensfest. Mit Gratis-WLAN in den Bussen. Nach München und Nürnberg, drittgrößte Stadt Bayerns. Martin Luther, Wolfgang Mozart und der Berthold haben hier gelebt. Martin und Wolfgang sind aus verschieden Gründen geflüchtet. Ursprünglich römische Provinzhauptstadt – Augusta irgendwas. Gegründet 15 v. Chr. Um die 2.000 Jahre soll diese Siedlung sein. Kein Wunder das überall Baustellen sind. Wird was auf- oder abgerissen, rücken die Archäologen mit ihren weißen Zelten an. Erst danach die Bauarbeiter. Und jetzt komme ich aus Hamburg und schreibe für die erste Augsburger Blogparade. Weltkunst zum Nulltarif. Aber: Wehe denen, die nicht geforscht haben und doch reden. [B. Brecht]

Augsburg liegt in Schwaben. Wo das ist, wissen in Hamburg wenige. Das ist nicht Bayern, nicht Franken und auch nicht Californien. Das ist Puppenkiste und FC Augsburg. Ich kam wegen eines Jobs nach Bayern. Zunächst nach München. Dann aber der Liebe und der Münchener Mietpreise wegen nach Augsburg. Angela Merkel kam wegen Kuka. Thimothy Donald Cook, bekannter als Apple-Konzern-Chef Tim Cook, kam, weil der Auftrag zu den Fassadenscheiben für seine neue Firmenzentrale in Cupertino Californien in Gersthofen Schwaben bei der Firma Seele landete. Die Presse schrieb der Einfachheit halber „in Augsburg“.

Mein Facebook-Account behauptet ich hätte 50 “Freunde” in Augsburg. 50 Augsburger mit denen ich angeblich sympathisiere. Seit meinem Zuzug in die Fuggerstadt durfte ich unglaubliche Gastfreundschaft an vielen Esstischen genießen, keine Spur von Grantlern, den angeblich bärbeißigen Pessimisten oder Skeptikern. Das müssen Grantler, Pessimisten und Skeptiker erfunden haben. Die Augsburger die ich kenne schmeißen beim Lachen ihren Kopf in den Nacken und klatschen dabei in die Hände. Ihr Humor ist viral. Ihre Offenheit gegenüber Ausländern wie mir und denen die stetig hinzukommen ist erwähnenswert. Ich habe Yoga mit ihnen gemacht, Wein und Whisky mit ihnen getrunken, getanzt, gegrillt, gejoggt, über Heimat, CSU, Grüne, Braune oder Netflix-Serien gestritten – Meinungen, gab es, Positionen aber Grantler?

Wenn man die Augen (und Ohren) öffnet, seine Komfortzone verlässt, wird Augsburg nicht größer aber schnell Rokoko, monumental, eine Verfeinerung unseres höfischen, oft anspruchsvollen Lebens. Die Stadt kommuniziert, zugegeben, oft wie ein Zweitausendjähriger – kein gesteigertes Repräsentationsbedürfnis, hier bleibt für Zugezogene und Ortsfremde vieles auch auf den zweiten Blick ein Geheimtipp. Und wohl nicht nur für die. Die Stadt pulsiert, sie lebt und sie verändert sich. Man kann das wahrnehmen. Nicht nur an den Baustellen – ständig wird die Stadt korrigiert, um der Bürger Liebe nicht zu verlieren. Wenn auch nicht so schnell wie in Leipzig oder in München. Eher mit Bedacht und Vorsicht, sich die alten Knochen nicht zu brechen, bewegt sich diese Stadt wie eine Schnecke durch die Gegenwart. Oder wie Helmut Schmidt Politik machte: In kleinen Schritten. Gar nicht so dumm. Sehr erfahren, die 2.000 Jahre alte Stadt. Macht einen wahnsinnig manchmal, wenn man sieht was los ist an Kreativität die aus den Menschen quillt, an Ideen für ein zukünftiges Augsburg – heidenei! Nur gibt es keinen Chief Listener im Stadtrat. Brecht ist schon tot und eine organisierte Bürgerinitiative next Augsburg existiert noch nicht. Und Oberbürgermeister Gribl mangelt es an Mehrheiten um Schlagkraft zu entwickeln. Aber dafür ist Augsburg bekannt: Für seine Vielzahl an Minderheiten.

Konditoreien sind los, in der Architektur ist was los, Graffiti ist wenig los (und wenn, dann vorab genehmigt), dafür lose homophobe Zeitungsbeilagen, Kirchenchöre, bald ein Innovationspark, eine paradiesische Gastronomie und auffällig viel soziales Engagement ist los. Und kulturell ist Augsburg ein dickes Los: Filmtage, Musikpicknick, Mozartfest, Automatic Open, Brechtfestival, Festival der Straßenkunst, eines für improvisierte Musik, für Schauspiel, die Kultürtage, dem Medienkunst-Festival Lab30, Wohnzimmerkonzerte, der Internationale Jazzsommer, Ballettgala, 17 Jahre Poetry Slam, Literatursalon, Puppenkiste, Kabarett, Jazzclub, die Kunstnacht, das Friedensfest, das STAC-Festival, der Tag des Denkmals … die andere Hälfte vergesse ich immer. Vielleicht hat das Gründe. Vielleicht geht die andere Hälfte für mich auch gar nicht. Wer Alphorngruppen, Posaunenchöre oder Drehorgelorchester bevorzugt, dem empfehle ich mindestens den Christkindlmarkt, dazu Rahmflecken, Schupfnudeln und ein paar Schnäpperken. 

Festival für Schauspiel in Augsburg

Das Stadtmarketing fokussiert sich auf die üblichen Verdächtigen: Wasserspiele, Prachtbrunnen, UNESCO-Welterbe, Renaissancestadt sowie Fugger und Welser. Hat immer funktioniert. Und man fährt Kampagnen mit Titeln wie Gassenhauer: „Und jetzt kommst du“.  Eine Kampagne, mit der die Stadt mehr Besucher anlocken will. Es gäbe bereits positive Signale für einen Erfolg. Weitere Kampagnen: “Kauf vor Ort weil deine Stadt alles hat” oder “Lass den Klick in deiner Stadt”. Letzteres heißt übersetzt: Kauft bei Bücher Pustet, nicht bei Amazon. Schuhe bei Beitelrock, nicht bei Zalando. Wenn ich mir jedoch die Webseiten diverser Augsburger Einzelhändler anschaue, kommen mir Zweifel auf, ob man dieselben vor der Aktion beraten hat – wie man virtuell einen Klick erzielt, statt ihn zu verlieren. 

Geschmacklos.

Zudem redet man gebetsmühlenartig vom Blick auf die Decke des Goldenen Saales, dem Perlachturm, dem Rathaus, der sogenannten Prachtmeile Maximilianstraße – auch Einkaufsboulevard. Man wirbt mit Christkindlmarkt, Krypta von St. Afra und Ulrich, Fuggerei, Planetarium, Zoo oder Plärrer. Letzteres für Menschen, denen die Wiesn zu groß sind. Meine 50 Facebook-”Freunde” findet man an diesen Orten selten. Das meiste davon habe ich mir angeschaut – ich kann meine “Freunde” verstehen. Neulich waren wir im Kunstmuseum Walter. Das Wort “langweilig” beschriebe nicht die Leidenschaftslosigkeit mit der uns die Kunst präsentiert wurde. Relevanter und vielleicht sogar zugänglicher mögen hier die Ausstellungsformate des tim – Staatliches Textil- und Industriemuseum oder des Maximilianmuseums sein.

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Macht man die Augen auf, getrieben von ehrlicher Neugierde, kann man über schlecht präsentierte Kunst und oder Kultur kraftvoll hinwegsehen. Und wenn die Augen erst einmal offen sind, springt einem die Stadt mit ihrer Vielfalt in die sprichwörtliche Fresse. Man muss nicht mit dem Goldenen Saal beginnen um die Stadt zu entdecken. Die Golden Glimmer Bar tut es auch. Da gibt es die vielleicht besten Cocktails der Stadt, eine Menge gebürtige Augsburger, Zugereiste und ihre Gäste. Und dort kann man besprechen ob die Maximilianstraße Prachtboulevard ist oder nur prächtig für die bis zu 600.000 Bienen auf dem Dach des Hotels Drei Mohren. Im Puristen gibt es auch beste Cocktails aber auch Prachtboulevard.

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Um Augsburg kennen und lieben zu lernen, würde ich ohnehin immer via der Zimmer-Vermittlungs-Plattform airbnb absteigen, um eine der faszinierenden Wohnungen dieser Stadt vom Bett aus betrachten zu können und morgens mit Augsburgern zu frühstücken. Es sei denn man hat Freunde. Freunde in Augsburg. Und wenn es ein Hotel sein muss, dann eventuell mal das Grandhotel Cosmopolis? Da hat man Biergarten, Kulturangebot, engagierte und hilfsbereite Menschen, den Ausblick auf den Dom und Gaumenfreuden an einem Ort. Und für einen guten Kaffee oder ein hausgebackenes Stück Kuchen zahlt man, was man zu zahlen bereit ist.

Grandhotel Cosmopolis

Grundsätzlich ist Augsburg eine Ansiedlung vieler Gaumenfreuden – wer kein Sport treibt, möge eines Tages platzen: Frühstück im Striese, im City Club, mit einem Auto vielleicht sogar bei La Boulangerie. Danach einen köstlichen Blick auf das Schwaben-Center nebenan. Wer dann das dringende Bedürfnis nach Natur verspürt, den verstehe ich. Lech, Lechauen, Mittelbach, Siebentischwald, Wertach oder der Hofgarten nahe dem Stadttheater geben dem Städter Seelen-Ruhe. Wer Ruhe bei Tieren findet, geht statt in den Zoo zur Abwechslung in den Eselgarten.

Hochablass

Bei frischer Luft denke ich wieder an Hunger. Auf die Hand, zumindest in der Altstadt, Essen aus der Bosna Stube! Wenn am Moritzplatz, bei Razz-Fazz Fingerfood. Wenn am Kö, im Cigköftem. Vielleicht ist einem auch nach Mittag in der Theaterkantine, Sushi im Kigiku oder noch besser: Falafel im Shu Shu. Schmeckt wie Berlin Kreuzberg. Weniger gut: Die Stadtkantine der Ämterzentrale. Sie bietet jedoch den kostenlosen Ausblick für den man im Perlachturm wiederum Eintritt zahlt.  

Blick vom Perlachturm

Nach dem Mittag ist mir nach Bewegung. Shoppen ist ein guter Sport, wie ich finde. Für mich Pflicht: Buchhandlung Am Obstmarkt – wenn man Bücher nach dem Äußeren beurteilt. Und dann nach dem Inneren. Der Kolonialwarenladen – wer Essen, Trinken und Bücher gleichsam zu seinem Lebenselixier zählt, sollte hier nicht hingehen. Wer gerne kocht, auch nicht. Isle of Skye – wer gerne Spirituosen kauft, keinesfalls aufsuchen! Oelkrug Hemden – wer man sich einmal im Leben ein echtes Hemd leisten will, bloß nicht. Anjy’s Haferl – Antikes, für das man keine Kreditkarte benötigt. Nr.7 – für Hedonisten. Die aufgezählten Läden führen einen in die besten Einkaufsgassen der Stadt. Zusammengenommen führen sie auch in den finanziellen Ruin. Ich bin glücklicher Weise trainiert im “Danke! Ich-schaue-nur.”

Shopping ist erschöpfend und für den Zuckerspiegel empfehle ich darum die Kuchen im Dichtl, Euringer oder – wer einen Spaziergang mag – im Cafe Schenck. Etwas im Abseits gelegen. Für den Kaffee würde ich dann auch in das Il Vicolo zurückkommen. Ja das würde ich.

Zuckerkunst im Dichtl

Um den Gourmets dieser Metropole auf die Schliche zu kommen, klickt man sich als Ortsfremder einfach durch das Gastro-Ranking von tripadvisor, Yelp oder bei Michelin im Internet. Teils nach Bewertung sortiert, lohnt der Blick auf die Kommentare unter der jeweiligen Gastro-Empfehlung. Die persönliche Auswahl sollte nicht nach der Bewertung der User, dem Ranking sondern nach eigenem Gefühl geschehen. Es gibt viele gute Adressen, da dieselben jedoch weniger populär sein können, haben sie mitunter weniger Kommentare oder Punkte und erscheinen erst weiter unten im Ranking. Dieselbe Recherche empfiehlt sich für das Abendessen – ich bin außerstande die Gourmet-Tipps der Stadt für Fremde zu priorisieren. Viele sind eine Gefahr für die Figur. Je nachdem welcher Altersklasse man angehört. Vielleicht also lieber Augsburger Hotspots mit veganen Gerichten auf der Speisekarte: Damn Burger, Striese, Die Extraveganten, K41 oder Cafe Dreizehn. Die Maximiliansklause möchte ich nicht empfehlen, um hier weiterhin Ruhe, kein Schi Schi und knusprige Schnitzel zu bekommen.

Als Wahl-Hamburger hatte ich in Augsburg viel Zeit damit verbracht, nach Nachtlokalen zu stöbern. Durch das Hörensagen, Internet und offline vor Ort. Ich liebe Kaschemmen – Kneipen, wo Fremde jeglicher Couleur zusammenkommen, unvoreingenommen, keiner Community angehörig, eher willkommen weil fremd. Egal ob alt, Hipster oder multiple Persönlichkeit. Musik nur gegen Münzgeld aus der Musik-Box. In Augsburg habe ich keine Musikbox gefunden. Dafür das Hallo Werner, das Prager Stüberl, die Haifischbar und das Victor. Kennenlernen möchte ich noch das Kreuzweise und The Drunken Monkey. Katharinas Treff könnte mir auch passieren. Ein Besuch dürfte den Horizont erweitern.

Wenn man auf Horizonterweiterung steht, kann man ja Kultur wie Drogen einsetzen. Sie wirkt berauschend. Berauschende Kultur bekommt man unter Garantie im Neruda, Savoy oder der Kresslesmühle. Das örtliche Stadttheater berauschte mich bisweilen nicht. Mag sich ändern. 

Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir Augsburg. Sein Bienenstich, der Datschi, die Geschmacklosigkeit in den Schaufenstern oder die Lieblosigkeit der Hipster gegenüber dem Hipstertum. In dieser Stadt geschieht etwas. So auch mit mir. Ich beginne Kirchen brilliant, innerstädtische Diskussionen um Bürgerentscheide dramatisch zu finden. Ich halte ein Grillen im Flußbett des Lechs für nacheifernswert. Keinen Bartschneider empfand ich als so professionell wie meinen türkischen Friseur in der Wertachstraße oder nichts außer dem Yoga so herrlich entspannend wie Frozen Margaritas im halben Liter vor der Rathaustür zu trinken. Und selten habe ich Menschen so offen und engagiert erlebt. Ich denke an das Übergepäck eines Flüchtlings, das Contact, das Cafe am Milchberg oder das Grandhotel.

Man möge mir nachsehen, das diese Stadt viel mehr bietet als ich zu ahnen vermag und es darum hier nicht stehen kann. Unterstützung willkommen.

von Marc Alexander Holtz
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Bildschirmfoto 2015-08-28 um 10.52.17

Pommes mit Chicken McNuggets, Zuckerwatte und Fahrgeschäfte gegen Ausgrenzung (die jeden treffen könnte) – das Team von „Übergepäck eines Flüchtlings“ und der schwäbische Schaustellerverband werden Augsburger Flüchtlingskinder auf den Plärrer einladen.

Am Montag, den 31.08. ist es soweit: Zusammen mit ihren Begleitern von „Übergepäck“ und einem Schaustellerteam will man den Kleinen einen unvergesslichen Tag bereiten. Weniger nur mit einem Bummelpass als mehr durch die Zeit des Miteinanders, durch den kostenlosen Eintritt in Fahrgeschäfte, ganz sicher mit Zuckerwatte und am Ende mit einem gemeinsamen Essen in der Sterndlalm. Dort wird es dann oben erwähntes Kinder-Lieblingsessen geben. 

Hut ab und ernsthaft Dank für die Herzlichkeit an Übergepäck eines Flüchtlings, an Josef Diebold (Vorsitzender des Schwäbischen Schaustellerverbandes) und seine Schaustellerkollegen. Zusammengenommen werden hier diverse Vorurteile abgebaut.

Übergepäck eines Flüchtlings, Augsburg, Flüchtlingshilfe, Bayern, Regierung Schwaben

Dank der vielen Spenden-Anfragen, die die Aktion „Übergepäck eines Flüchtlings“ in Augsburg bei deren OrganisatorInnen verursachte, haben dieselben für eine zukünftig optimierte Spendenannahme gesorgt:

»Dank der Zusammenarbeit mit der Regierung Schwaben, können in Zukunft Spenden direkt bei den Heimleitern der jeweiligen Heime abgegeben werden. Diese geben eure Spenden gezielt und nach Bedarf an die jeweiligen Bedürftigen im Heim weiter. Hierzu folgt am Montag unsererseits eine konkrete Auflistung der Heime mit Adressen und Anwesenheitszeiten der Heimleiter.«

Das ursprüngliche Ziel war es, »eine Brücke zu den Menschen in den Heimen zu schlagen. Die Brücke steht, ihr könnt sie gehen;-)«

Die Planung für die Aktionen in 2015 starten im Februar. Alle Infos findet ihr unter Übergepäck eines Flüchtlings.

Wir können also weiterhin helfen, indem wir entrümpeln und unseren Überfluss zu reduzieren üben. Bei Interesse auf die Seite der engagierten Augsburger surfen (siehe unten), dort »Gefällt mir« drücken und wenn es passt mithelfen.