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Schlagwort-Archive: Flüchtlingskrise

… auch Beirut. Auch Kolumbien, Ukraine, Syrien, Afghanistan, Libyen, Gaza, Pakistan, Indien, Irak etc. Vergewaltigte Männer, Frauen und Kinder in Krisen- und Kriegsgebieten dieser Erde. Millionen auf der Flucht. Was tust du außer dich zu empören über Paris? Außer zu posten und zu twittern? Was tust du um irgend etwas zu ändern, frage ich mich.

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Unter den Artikeln der Online-Medien zur Flüchtlingskrise finde ich Sehnsüchte – sie, die Sehnsüchte, treiben dort aufregende Stilblüten. Sehnsucht nach Vergangenheit blüht jetzt vielerorts wie Unkraut. Doch findet man Vergangenheit nicht in der Gegenwart. Egal wie sehnsüchtig wir uns wünschen das alles bleibt wie es einmal war. Daran wird man auch in Erfurt und Dresden nichts ändern können. Die Veränderung kommt bekanntlich immer und ist beständig. Und da wird es aktuell vielen zu bunt. Wie schön wäre jetzt eine Zukunft nur für uns allein, die man nicht teilen müsste mit denen aus der Fremde, die grade nach Zukunft suchen und sie in Deutschland zu finden hoffen? Ist es das, was manche denken?

Gebt mir Zukunft. Mir, nicht denen die aktiv danach suchen, lese ich in den Kommentaren. Ich sage das so. Um Verständnis zu signalisieren – für die Suche nach Zukunft. Nicht für ihre Worte! Die sind … alarmierend. Perspektivlosigkeit muss einem den Atem rauben, das Lebensglück oder vermutlich sogar Hoffnung. Und die einzigen mit denen man diesen Zustand teilen könnte, sind die Fremden die durch die Grenzzäune sickern und dasselbe suchen: Zukunft oder Lebensglück. Und man ahnt – so weit wie die schon gelaufen sind, haben die das Zeug hier eine Zukunft zu finden. Aber man selbst? Vielleicht gesellt man sich da lieber zu den Pegida- und AfD-Menschen. Die sprechen zumindest die eigene Sprache. Denen scheinen die meisten Wege auch zu weit. Denen fehlt auch das Zeug zur Zukunft. Die lieben sogar Vergangenheit: Statt einem grenzenlosen Europa, wünschen die Ländergrenzen und die auch noch möglichst geschlossen. Weitsicht ade. Problem ungelöst. Aber aus Angst und Lösungsinkompetenz rennt man ihnen wohl mit kalten Füßen und Kerzen in den Händen sehr gerne hinterher.


Welch blühende Ironie, Sarkasmus, Zynismus machen sich in den Kommentarspalten unter den Artikeln zur Flüchtlingskrise breit und geben uns als Gesellschaft das Zeugnis ausgezeichneter Wohlstandshüter? Besitzen, verteidigen und wenig bis gar nichts abgeben. Von unseren Spielplätzen im Frieden, von unserer ärztlichen Versorgung für jeden, von unserer Herzlichkeit. Keinen Gedanken sich der Situation zu stellen, das Beste herauszuholen, sich zu engagieren, andere zu unterstützen die wissen wie man Perspektiven findet und Probleme löst. Erfahrungen statt Urteile sammeln für etwas das man nicht lösen will. Statt Galgenhumor und Mordgelüsten. Was für schreckliche Worte die Angst produziert. Zudem Defarmierung von Politikern, Flüchtlingen, Medien – der Gesellschaft und somit auch derer die helfen die Not im Inn- und Ausland zu lindern. Natürlich, die Bundesregierung könnte mehr Aufklärungsarbeit leisten, mehr Transparenz schaffen, den Ängsten begegnen. Wir alle könnten mehr.

Was mehr sind wir, als die Hüter des Reichtums, als selbstgefällige Fratzen die als kleine Phrasendrescher unter die Kommentar-Publizisten gegangen sind? Milliarden für die Finanzkrise waren wir bereit zu investieren, wenngleich gefühlt auch nur als Opfer. Ich habe die Finanzkrise schwerlich verstanden. Ein paar Millionen für Menschenleben hingegen lassen uns aber die Nerven verlieren. Obgleich diese Krise umso vieles leichter verständlich scheint und so viel schwerwiegender ist. Wer will behaupten er sei noch Mensch, der so gegen Menschen ist, gegen das Teilen, Helfen, Verstehen und Sorgen? Der Grenzen zieht, doch sich selten fragt was er oder sie getan hat, für das, worin er oder sie lebt, außer es zu genießen: Sicherheit, Warmwasser, ein paar Schuhe, Familie, James Bond und Zucker im Tee.

Wir sind Gesellschaft, sind das System, wir sind die Medien, sind Mutti, sind alle etwas Merkel oder Maas, Europa oder Exporteure militärischen Geräts. Und wir alle sind Pegida, wenn wir sie ausgrenzen, abstoßend finden und verurteilen ohne den Konsens zu suchen. Wo sind wir besser? So leicht kommen wir da nicht raus. Wir sitzen gemeinsam in der Komfortzone.

Wir haben Werte. Dafür gibt es Gründe und viele blutige Geschichten. Dafür gibt es leider keine Festung und keine Grenze. Diese Werte sind schutzlos, immer dann, wenn wir sie nicht verteidigen. Es ist leicht zu sagen, man könne nichts tun. Doch es befreit nicht und es stimmt nicht. Wir alle sind Angsthasen oder Faulpelze, so lange wir keinen Teil zur Lösung beitragen.

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