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»… Soviel Glück zu sehen. Das ist einfach unglaublich.«* Der Kino-Dokumentarfilm »Happy Welcome« begleitet vier Clowns bei ihrer Tour durch acht deutsche Aufnahmeeinrichtungen und Heime für Flüchtlinge und Asylbewerber. Im Zuge der 25. Tage des unabhängigen Films in Augsburg, wird der Regisseur Walter (60) Steffen am 18.11. seine Dokumentation persönlich vor dem deutschlandweiten Kinostart vorstellen: Happy Welcome in Augsburg.

Der Film erzählt vom Lächeln, von den Auftritten der Clowns, der Tristesse des Flüchtlingsalltages, den Begegnungen mit teils traumatisierten Kindern und Erwachsenen, von Treffen mit Helfern und von Orten in diesem Land. Berührend, heiter und unterhaltsame Aspekte von einem Deutschland als ein Gastland mit einer Willkommenskultur.

»Wenn jeder darüber nachdenken würde, wie möchte ich behandelt werden, wenn ich in so einer Situation bin und dann danach reagiert, wäre das schon klasse«, sagt eine Rotkreuzhelferin. *Regisseur Walter Steffen (60) über die Produktion: »Es war die wohl glücklichste Woche meines Lebens.« Die süddeutsche schreibt »ein einfühlsamer Film, der tief berührt«.

Programm 25. Tage des unabhängigen Films Augsburg

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Pommes mit Chicken McNuggets, Zuckerwatte und Fahrgeschäfte gegen Ausgrenzung (die jeden treffen könnte) – das Team von „Übergepäck eines Flüchtlings“ und der schwäbische Schaustellerverband werden Augsburger Flüchtlingskinder auf den Plärrer einladen.

Am Montag, den 31.08. ist es soweit: Zusammen mit ihren Begleitern von „Übergepäck“ und einem Schaustellerteam will man den Kleinen einen unvergesslichen Tag bereiten. Weniger nur mit einem Bummelpass als mehr durch die Zeit des Miteinanders, durch den kostenlosen Eintritt in Fahrgeschäfte, ganz sicher mit Zuckerwatte und am Ende mit einem gemeinsamen Essen in der Sterndlalm. Dort wird es dann oben erwähntes Kinder-Lieblingsessen geben. 

Hut ab und ernsthaft Dank für die Herzlichkeit an Übergepäck eines Flüchtlings, an Josef Diebold (Vorsitzender des Schwäbischen Schaustellerverbandes) und seine Schaustellerkollegen. Zusammengenommen werden hier diverse Vorurteile abgebaut.

Wir schreiben das Jahr 2015, es ist Sommer, ein Juli zum Schwitzen. Bundesweit geraten Menschen in Aufregung, weil der Katholiken geistige Kinder im Augsburger Bistum homophobe Informationsbroschüren via Tageszeitung verbreiten. Darin Worte wie „schwerwiegende Identitätskrisen“, „entgrenzte Menschen“ oder „10 Thesen gegen die Homo-Ehe“. Angela Merkel kichert.

Die kirchentreue Beilage erscheint unter dem Titel „Familienbunt”. Gefördert aus Steuergeldern des bayerischen Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Integration steht für die Einbindung von Personen, sozialen Gruppen oder ihre Verschmelzung. Auch Katholiken verschmelzen miteinander. Sie bekommen dann meist Kinder. Gründen eine Familie. Oder sie sind homosexuell, verschmelzen wie andere Gläubige auch. Sie kriegen keine Kinder, adoptieren welche oder kümmern sich um das Wohl der Kinder anderer.

Zurück zur Beilage: In Schwaben, Bayern und innerhalb kürzester Zeit verbreitet sich deutschlandweit eine Welle der Entrüstungen. In Augsburg, in Schwaben – es wird irgendwo in Bayern sein – ist man homophob, mutmaßen einige.

Bundesweit entsteht ein mediales Echo, dass dank namenhafter Publikationen innerhalb weniger Tage dafür sorgt, dass bei Google News Begriffe wie Augsburg, Katholiken und CSU mit Homophonie in den Suchergebnissen erscheinen. Augsburg und Homophobie verschmelzen. Auch dank der Augsburger Allgemeinen (AZ).

Die AZ ist eine der reichweitenstärksten Publikationen und genießt weit über die „Planungsregion Augsburg“ oft Deutungs- und Meinungshoheit in der Friedens- und Fuggerstadt. Sie ist mächtig. Zum Glück gibt es in Augsburg auch die Stadtzeitung, Facebook „& Co“. Hier hat sich die Diskussion um die Homophonie in Windeseile entzündet und im Land verbreitet. Dank der sozialen Medien.

Die AZ, eine der größten bayerischen Abonnement-Zeitungen war es, die im Juli diesen Jahres ermöglichte, dass homophobe Inhalte mit Brechts Geburtsstadt, Schwaben oder Bayern assoziiert werden, weil der Aufruf zur heterosexuellen Lebensgestaltung ihrerseits per Wochenendausgabe verbreitet wurde. Hauptsächlich im bayerischen Schwaben und Teile Oberbayerns.

Bisweilen konzentriert sich die mediale Aufregung (u.a. süddeutsche, taz, Stadtzeitung oder RTL) auf die Katholiken, deren Beilage und dessen Finanzierung, sprich Steuergelder. Es werden Namen der Verfasser und Förderer genannt – wer „Homophobie AND Augsburg“ in die Google-Suche eingibt, wird fündig. Niemand richtet Kritik an den Verteiler der Beilage oder Walter Roller, aktueller Chefredakteur der Zeitung.

Im Mai 2015 schreibt Roller in einem Kommentar zur „Ehe für alle“: »Der Widerstand gegen die Homo-Ehe, in der ja ebenfalls Menschen füreinander einstehen, hat weniger mit Ressentiments als vielmehr mit der Sorge vor einem allgemeinen Werteverfall und einer Auflösung der klassischen Familie zu tun. […] Wer, wenn nicht die Union, ist in der Lage, diesem Unbehagen mit rationalen Argumenten zu begegnen und den Modernisierungsprozess aktiv zu begleiten?«

Die Beilage ist eine der Katholiken. Ihr Inhalt „10 Thesen gegen die Homo-Ehe“ wirkt wenig modern. Die Beilage ist gefördert durch ein bayerisches Ministerium, geführt von Staatsministerin Emilia Müller, römisch-katholisch, verheiratet, zwei Kinder, CSU.

Um es deutlich zu machen: Wenn ich eine homophobe, sprich laut Sozialwissenschaften „menschenfeindliche“, eine jedwede Minderheit (oder Mehrheit) diskriminierende Meinung habe, sie formuliere und auf meinem Facebook-Account publiziere, offenbare ich meine irrationale Angst, mein ablehnendes Verhalten, meine phobische Störung oder schlicht die unbewusste Angst vor den eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen.

Homophobie galt einst auch als die Angst vor dem Mann, Angst selbst als zu wenig maskulin bloßgestellt zu werden, ein Machtverhalten, später als generelle Furcht vor Homosexuellen, Angst Heim und Familie abzuwerten, eine religiöse Furcht die vielfach bis heute zu großer Unmenschlichkeit führte, „wie es Furcht immer macht“. (George Weinberg). Diese Angst verbietet Menschen mitunter Erfahrungen mit Poesie, Kunst, mit Berührung oder Bewegung zu machen, da sie als verweiblicht gelten und unter (manchen) Männern darum tabuisiert sind.

Wenn ich homophobe Gedanken auf Facebook, Google+, auf meinem Blog oder via twitter publiziere, stelle ich damit noch keine Meinungshoheit her. Mein Einfluss ist gering. Die Diskriminierung durch den Mangel an Popularität und Aufmerksamkeit zum Glück beschränkt. In diesem Fall war es aber nicht nur eine regionale Institution Gläubiger, die ihre Meinung in Papierform verbreitet haben. In diesem Fall war es die Augsburger Allgemeine Zeitung (und die Allgäuer Zeitung), die diese Beilage transportierten – in Ihren Wochenendausgaben.

Ich schreibe weil ich mich fremdschäme für die Beilage, die AZ und die ministerialen Entscheider Bayerns. Für die Rückwärtsgewandtheit und organisierte Diskriminierung einer Minderheit, die noch immer um gleiche Rechte kämpfen muss, weil sie derart Publikationen auch weiter zu Menschen zweiter Klasse machen. Weil man sich asozial gegenüber anderen verhält. Egal ob es dafür Geld von CSU geführten Ministerien gab oder die Verbreitung für die AZ kostenlos war. Und ich lamentiere hier nicht über Werbeprospekte mit Grillfleischangeboten die Veganer verletzen könnten.

Bemerkenswert sind die sofortigen Reaktionen von SPD und Grünen. Ebenso die Nicht-Reaktionen der anderen Parteien. Für die CSU sei die Beilage des Familienbundes freie Meinungsäußerung. Äußerungen wie Homosexualität entspreche nicht dem Wesen des Menschen, eine Öffnung der Ehe für Homo-Paare könne zu Inszest führen. Alter Wein in gleichen Schläuchen.

Homosexualität soll bei 1500 Tierarten festgestellt worden sein. Religion wohl nur bei uns Menschen. Es gibt diverse Theorien (noch keine endgültigen Beweise) welchen Nutzen Homosexualität in der Evolution mit sich bringt. Doch sind die bisherigen Ergebnisse lesenswert. Lesenswerter als die „10 Thesen gegen die Homo-Ehe“ und evolutionstechnisch gegebenenfalls nützlicher als der Katholizismus. Letzteres ist mit einem Augenzwinkern geschrieben – ich habe durchaus einige katholische Freunde und bin inspiriert von ihrer religiösen Ehrfurcht.

Wenn ich selbst homophobe Broschüren verteile, gleich ob für oder ob ohne Geld, kann ich mich nur schwer von der Annahme befreien, selbst homophob denkend zu sein. Augsburg ist nicht homophob – eine Freundin aus Berlin erkundigte sich gestern in unserem Haushalt was denn in Augsburg los sei. Augsburg ist nicht homophob. Mitnichten sind es auch AZ-Mitarbeiter nie gewesen. Und schon gar nicht alle Katholiken. Es wäre schwachsinnig ein solches Signal zu setzen oder es zu denken. Das Signal aus Augsburg, dank homophober Religionsbroschüre, dank AZ-Wochenendausgabe, dank der bisher erscheinenden Beiträge in den bundesweiten Print- und Online-Medien ist ein unschönes, ein irritierendes Bild. In Augsburg, ich wiederhole mich, ist „man“ nicht homophob, auch in Bayern nicht, nicht in der CSU, nicht im Ministerium – es sind Einzelne die ihre Möglichkeiten missbrauchen um Überzeugungen zu verbreiten oder durchzusetzen.

Natürlich ist es müßig immerfort zu posten – entschuldigt diese Lehrstunden gegen Homophobie. Aber wie müßig muss es für Betroffene sein, in einer solchen Gesellschaft zu leben?

Für viele ist Sexualität – oder für die ewig Fortschrittsresistenten: sexuelle Orientierung – seit Jahren kein Grund zur Panik mehr. Doch das gilt nicht für alle. Auffällig ist lediglich, dass diese sakralen Panikmacher immer wieder in den selben politischen und religiösen Lagern auftreten.

Die meisten in Europa, in Deutschland, in Schwaben, ja in Bayern und auch Augsburg mögen ihren Frieden damit geschlossen haben das man sexuelle Orientierung nicht auswählen kann. Religion hingegen schon. Zeitungen und Parteien auch. Veränderung beginnt mit einer Entscheidung.

Ich wünsche weiterhin Mut.

Übergepäck eines Flüchtlings, Augsburg, Flüchtlingshilfe, Bayern, Regierung Schwaben

Dank der vielen Spenden-Anfragen, die die Aktion „Übergepäck eines Flüchtlings“ in Augsburg bei deren OrganisatorInnen verursachte, haben dieselben für eine zukünftig optimierte Spendenannahme gesorgt:

»Dank der Zusammenarbeit mit der Regierung Schwaben, können in Zukunft Spenden direkt bei den Heimleitern der jeweiligen Heime abgegeben werden. Diese geben eure Spenden gezielt und nach Bedarf an die jeweiligen Bedürftigen im Heim weiter. Hierzu folgt am Montag unsererseits eine konkrete Auflistung der Heime mit Adressen und Anwesenheitszeiten der Heimleiter.«

Das ursprüngliche Ziel war es, »eine Brücke zu den Menschen in den Heimen zu schlagen. Die Brücke steht, ihr könnt sie gehen;-)«

Die Planung für die Aktionen in 2015 starten im Februar. Alle Infos findet ihr unter Übergepäck eines Flüchtlings.

Wir können also weiterhin helfen, indem wir entrümpeln und unseren Überfluss zu reduzieren üben. Bei Interesse auf die Seite der engagierten Augsburger surfen (siehe unten), dort »Gefällt mir« drücken und wenn es passt mithelfen.

Augsburg, Eltern, Homophonie, Homosexualität, Demonstration

Demo gegen die vermeintliche #Frühsexualisierung von Kindern in Augsburg – dazu rufen Augsburgs „besorgte Eltern“ ab 14 h auf dem Rathausplatz auf. Wir werden trotz Schneetreibens mal früher duschen, Hosen anziehen und einen Schal umlegen, um herauszufinden ob es diese Menschen wirklich gibt. Oder die Gefahr von der man hier zu sprechen wünscht. Gegendemos sind von diversen politischen Gruppierungen geplant. Google erklärt euch wo … am Moritzplatz findet ihr der AZ zufolge mindestens einen Stand der Grünen.

Aufklärung oder nicht aufklären lautet hier die Frage. Rückwärtsgewandt oder innovativ? Hintergrund ist u.a. die Diskussion um den Bildungsplan in Baden-Württemberg, der vorgibt, dass im Rahmen des Sexualkundeunterrichts Homosexualität thematisiert werden solle. Großartig, oder? Was spricht dagegen Kindern die Welt wie sie ist – ohne Ausgrenzung – zu erklären? Wie wäre es Homophobie gleich mit zu erörtern. Sicher kein leichter Job für die LehrerInnen (und Eltern). Aber wachsen wir nicht alle mit unseren Aufgaben?

Bedeutet Erziehung nicht, die eigenen Kinder zu besseren Menschen zu machen als man selbst einer ist?

Augsburg, Bayern, We really live in Augsburg
Wir waren Augsburger – zugezogene, fast gebürtige. Augsburg war unsere Heimat, Wahlheimat. Das, was wir in dieser Stadt erlebten, beobachteten, worüber wir diskutierten, fanden wir kaum oder gar nicht im Netz und fragten uns, wie es andere dann finden könnten. Und da Augsburger gerne diese schöne Stadt unter das falsche Licht stellen – vielleicht weil München größer oder man Besuchern aus Hamburg ja nichts bieten zu können glaubt, wollten wir etwas ändern.

Als wir das erste Mal etwas über diese Stadt verfassten, wurde sogleich die AZ darauf aufmerksam. Dafür waren wir dankbar. Und darum machen wir immer noch dann und wann weiter.

Ambition is the first step to success. Wir suchen jederzeit spannende Perspektiven in Form von Beiträgen. Sie sollten mit der Stadt, dem Leben darin zu tun haben. Das Alter unserer Autoren spielt keine Rolle, nur der Ton macht auch bei uns die Musik.