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Die Augsburger Kunst- und Kulturszene ist abhängig vom Wohlwollen der örtlichen Kulturpolitik, Spenden der Privatwirtschaft und von ihrem Publikum. Im Internet ist sie zunehmend abhängig von der Sichtbarkeit ihrer eigenen Angebote bei Google und zudem von der optimierten Darstellung ihrer Webseiten auf unseren Smartphones. Der Wettbewerb ist groß: Es gibt Veranstaltungsübersichten von regionalen Redaktionen, der städtischen Behörde, von bundesweit agierenden Anbietern und es gibt Facebook. Unsere Recherche war generell voller Überraschungen: Die Tourismuszentrale ist nicht im Ranking dabei, die führende Tageszeitung in der Veranstaltungsübersicht nur Schlusslicht. Eine ganz andere Kulturredaktion scheint in Augsburg unterschätzt, ein Buchladen führt einen eigenen Online-Kalender.

Die Kriterien für die Beurteilung der Angebote: Vielfalt oder die Spezialisierung der Vernstaltungs-Inhalte – während die Generalisten wie die Neue Szene alles anzubieten versuchen, konzentrieren sich Spezialisten auf Kino- oder Literaturprogramm. Die Smartphone-Tauglichkeit der Kalenderansichten – weshalb das behördliche »Veranstaltungs-Angebot« der Stadt Augsburg keinen Spitzenplatz belegt hat. Die Sichtbarkeit in Suchmaschinen – was bringt eine gute Website, die man bei Suchabfragen nicht findet, weil man sie nicht kennt? Die Such- und Filterfunktionen um Termine nach Interessen zu sortieren – einige Anbieter glänzen hier mit Inkompetenz.

Fest steht: Es gibt keinen Veranstaltungskalender der nicht ausbaufähig wäre, doch es gibt gute. Keinen der alles abbildet aber zwei die nahe dran sind. Kombiniert man sie, erhält man schnell einen befriedigenden Gesamtüberblick über die kulturelle Vielfalt der Stadt. Sie ist berauschend. Mit unserem Ranking wollen wir auch von unserer Seite aus Transparenz schaffen, Kunst- und Kulturszene unsererseits unterstützen und im Idealfall mindestens örtlichen Anbietern Inspiration bieten, die Vermittlung zu verfeinern.

Das die führende Tageszeitung der Stadt, die Augsburger Allgemeine in unserem Ranking bisher versagt, überrascht zumindest uns. Stattdessen finden wir unter den Top 10 Veranstaltungs-Webseiten eine ganz andere Kulturredaktion, einen Buchladen und sogar drei ortsferne Portale, die ein besseres Angebot servieren als selbst die städtische Website für »Aktuelles« der Stadt Augsburg.

Die 10 besten Augsburger Veranstaltungskalender in der Übersicht:

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PLATZ 1Neue Szene //: Note: 1-
Schwerpunkt: Gesamtüberblick Augsburger Kunst- und Kultur

STÄRKE
: Der aktuell beste Überblick kommt von der Neuen Szene Augsburg. Verlässlich alle Jugend- und Popkulturtermine – Festivals, Clubkultur, Kino, Theater, Vorträge oder Lesungen, Ausstellungen, Kinder- und Sport-Events. Von Abraxas über City Club, von der Ganze(n) Bäckerei bis Parktheater Göggingen. Vom Blues über Klezmerpunk bis Musiktagebuch, selbst Jazz. Ein handytauglicher und leicht bedienbarer Kalender, bei Google auffindbar und schnell. Das Angebot füllt Nacht wie Tag, befriedigt alt und jung. Service zu Locations, redaktionelle Begleitinformationen, praktische Filterfunktionen, gute Verschlagwortung zum Weitersuchen ähnlicher Veranstaltungen. Termine können eingereicht werden.

SCHWÄCHE: Im Bereich »Bühne« oder »Ausstellungen« gibt es deutliche Lücken die sich bei den Kollegen von a3kultur schließen.

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PLATZ 2a3kultur //: Note 2+
Schwerpunkt: Gesamtüberblick Augsburger Kunst- und Kultur

STÄRKE: Dieser Terminkalender hat es in sich: Womöglich der am meisten unterschätzte Kalender, wenn es um einen Gesamtüberblick der Kulturhighlights in Augsburg geht. Die Rubriken sind so vielfältig wie die der Neuen Szene. Die Filter funktionieren einwandfrei. Viel redaktionelle Erläuterungen. Alle Termine mit ausführlichen Infos zum Veranstaltungsort, Links zu Webseiten inkl. Übersicht zu nächsten Veranstaltungen der jeweils ausgewählten Lokalität und eine Google-Map für die Anfahrt.

SCHWÄCHE: Die SEO-Optimierung für Google ist eher untergeschossig. Bei der Google-Suche nach »Veranstaltungen Augsburg« erscheinen selbst Gebetshaus Augsburg oder das Jüdische Kulturmuseum weit vorher, obgleich quantitativ weniger Inhalt. Das ist schade bei alle der Arbeit. Die Seite wird demnach Ortsfremden und Zugezogenen zunächst fremd bleiben. Minuspunkt auch: Jugend- und Clubkultur so wie Wochenendtermine für das kulturelle Nachtleben bleiben dem anspruchsvollen jungen Lesern hier – im Vergleich zur Neuen Szene nahezu erspart. Ein Ergänzungsangebot könnte hier neues Publikum bringen. Die Live-Musik-Szene-Tipps bieten zwar ein Portfolio, jedoch wird das junge Publikum auch hier eher bei der Neuen Szene fündig.

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PLATZ 3cinema.de //: Note 2
Schwerpunkt: Kinoprogramm aller Kinos in Augsburg

STÄRKE: Savoy, Liliom, Thalia, Mephisto und das CinemaxX sind die führenden Lichtspielhäuser der Innenstadt. Cinema.de ist nicht die einzige Adresse die das Programm aller Augsburger Lichtspielhäuser der Innenstadt abbildet, doch nach unserer Überzeugung die beste Adresse. Auch kino.de oder kino.augusta.de bieten einen Gesamtüberblick, doch stören hier entweder zu viele Werbeanzeigen (kino.de) oder man erschrickt vor einem steinzeitlichen user-unfreundlichem Design (kino-augusta.de). Cinema.de stellt alle Filme der Augsburger Kinolandschaft übersichtlich dar, bietet Trailer, Inhaltsbeschreibungen, Community-Bewertungen und Kontakt-Angaben zu den Kinohäusern. Das Angebot ist handyfreundlich. Für Kinoliebhaber empfehlenswert.

SCHWÄCHE: Direkte Kartenbestellung telefonisch und per Email zwar möglich, jedoch nicht per Button bei dem jeweils ausgewählten Film. Werbeanzeigen, wenn auch wenig, nerven.

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PLATZ 4Buchhandlung am Obstmarkt //: Note 3+
Schwerpunkt: Spartenangebot Augsburger Literatur und Slam Poetry

STÄRKE: Wie der Buchladen auch: Klein aber sehr fein. Inhaltlich anspruchsvolle und sehr ausgewählte Events aus den Bereichen Slam, Literatur, sofern grade aktuell auch das Brechtfestival oder Termine zu Theaterführungen. Vom Literarischen Salon über die Slammer auf der Brechtbühne, über das sanierungsbedürftige Theater hin zu literarisch-musikalischem Nachtprogramm auf der Kahnfahrt. Die relativ wenigen Kalendereinträge sind grundsätzlich redaktionell erarbeitet und erörtern das jeweilige Geschehnis. Eine anspruchsvolle Ergänzung zum Kulturkalender von a3kultur und eher ein kleiner Geheimtipp für Trüffelschweine.

SCHWÄCHE: Der Kalender lässt sich nicht bei Google finden. Es sei denn man weiß um den Namen des Ladens und das man hier Termine zur Kunst- und Kulturszene der Stadt veröffentlicht. Sehr wenige, wenn auch sehr ausgewählte Termine.

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PLATZ 5popula.de //: Note 3
Schwerpunkt: Konzerte, Kultur- und Nachtleben

STÄRKE: Eine Seite für alles. Stadt und Land. Von Curt-Frenzel-Stadion bis S-ensemble Theater mit einer herrlichen Bandbreite an Events, Locations bzw. kulturellen Geschehnissen der Stadt. Hier tummeln sich Termine vom City Club, der Kantine aber auch Termine aus Neusäß oder Stadtbergen. Folgt man einem Veranstaltungshinweis, erhält man alle weiteren Termine derselben Location. Selbst die kulinarische Stadtführung in Augsburg kann hier erscheinen. Veranstaltungen können bundesweit kostenlos hinzugefügt werden.

SCHWÄCHE: Es braucht etwas, bis man alle Funktionalität der Seite zu nutzen weiß. Selbst wenn City Club und Kantine hier auftauchen, vermisst man am Wochenende das wirkliche Spektrum der Augsburger Clubtermine oder Konzerte-Vielfalt der Stadt. Filterfunktionen recht beschränkt.

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PLATZ 6LIVEGIGS.DE //: Note 3-
Schwerpunkt: Konzerte

STÄRKE: Eine Website die das Konzert-Programm der Stadt von Ballonfabrik zur Bedroomdisco, über City Club, Kantine, Neruda bis hin zur Schwabenhalle liefert? Klingt unmöglich, schafft sie aber. Umkreissuche (in km) lässt sich variieren. Ticket sofort buchbar. Adress-Info und Routenplaner. Vor allem für die, die etwas langfristiger Planen und wissen wollen, was in den nächsten Monaten stattfinden wird, finden hier schnell einen Überblick.

SCHWÄCHE: Wenngleich viele Konzerthäuser im Portfolio auftauchen, sind nicht alle Events in den Ergebnislisten auffindbar. Insofern eine gute Ergänzung zu den detaillierteren Kalendern von Neue Szene und a3kultur.

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PLATZ 7Stadt Augsburg //: Note 3-
Schwerpunkt: Nicht erkennbar. Etwas politisch, etwas Kunst u. Kultur und etwas Touristik.

STÄRKE: In diesem Kalender können theoretisch alle Augsburger Events auftauchen. Von A Capella über Theaterkonzerte, Vorträge zur Stadtentwicklung, Einladung zu Bürgerdialogen bis hin zu der orientalischen Rundkrippe im botanischen Garten oder einem Poetry Slam. Insgesamt und offensichtlich eher für ein touristisches Publikum angelegt und für politisch an Partizipation interessierte Augsburger. Denen empfehlen wir jedoch ergänzend die Recherche der jeweiligen Partei-Angebote in Augsburg.

SCHWÄCHE: Keine optimierte Darstellung auf dem Handy. Das verschlechtert Bedien- und Lesbarkeit oder zuletzt den Spaßfaktor. Menüführung für das Weiterblättern ausbaufähig. Wenig alternative Szene, ein Geschmack von Touristik. Kein bis »sehr wenig« Angebot für Nacht- und Clubkultur. Hauptsächlich etablierte Veranstalter bzw. Augsburger Institutionen.

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PLATZ 8Kongresshalle //: Note 3-
Schwerpunkt: Großveranstaltungen, Unterhaltung und Business

STÄRKE: Breites Spektrum an meist großformatigen und publikumsstarken Events in den Bereichen Unterhaltung und Business, womit das zu erwartende Portfolio gut beschrieben ist. Die Kongresshalle ist die größte Veranstaltungshalle der Stadt und überrascht immer wieder mit jugendkulturellen Events die Strahlkraft haben: zuletzt mit der Deutschen Poetry Slam-Meisterschaft oder dem nun jährlich dort ausgetragenem Modular-Festival. Finden lassen sich hier auch Sinfoniekonzerte, Ballett, der internationale Mineralientag oder ein Nachtflohmarkt. Auch Kabarett- und Comedians wie Kurt Krömer oder Hagen Rether besetzen den Spielplan. In diesem Haus geben sich Massentauglichkeit und Hochkultur die Hand. Hier gibt es überraschende Nadeln im Heuhaufen zu finden.

SCHWÄCHE: Auch diese Seite ist nicht optimiert für die mobilen Endgeräte. Das Design wäre ausbaufähig. Insgesamt wenige Highlights. Als Mehrzweckhalle kein klares Publikumsprofil – hier ist einiges möglich und genauso vieles wohl nicht.

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PLATZ 9Flohmärkte //: Note 3-
Schwerpunkt: Floh- und Trödelmärkte

STÄRKE: Eine Übersicht derartiger Märkte haben wir andernorts online nicht finden können. Die meisten Augsburger Floh-, Trödel-, Wochen- oder Kunstmärkte auf einen Blick. Nach Postleitzahlen filterbar und optimiert für das mobile Telefon. Zu jedem Markt-Termin gibt es weiterführende Beschreibungen, Webadressen und Öffnungszeiten. Abonnierbar auch per Mail.

SCHWÄCHE: Auf der Seite heißt es: »Aktuelle Flohmarkt, Trödelmarkt und weitere Veranstaltungs-Termine in Augsburg«. Wir finden auch Wochenmärkte. Doch werden diese nicht vollständig abgebildet. Eine Filterfunktion für zukünftige Termine bevorzugter Märkte gibt es nicht.

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PLATZ 10: Augsburger Allgemeine //: Note 5
Schwerpunkt: Bisher keiner

STÄRKE: Vom AWO-Fahrdienst bis zum Gruppentreff der anonymen Alkoholiker in Krumbach. Von Achberg bis Zusmarshausen.

SCHWÄCHE: Haben wir etwas falsch gemacht? So oft wir die Seite – weil wir es nicht glauben wollten – auch besucht, getestet, Filter ausgewählt, auf dem Handy geschaut haben, das Ergebnis war niederschmetternd. Landet man auf der Veranstaltungsseite, erscheinen Termine ungeordnet. Die ersten für das kommende Jahr. Kempten, Augsburg, Günzburg, Neuburg – kein Orts- oder Postleitzahlen Filter in Sicht. Scrollt man, erscheint die Rubrik »Das läuft in den nächsten 24 Stunden«. Über den Terminen steht ein »Wann« und ein »Wo«, jedoch keine Filteroptionen. Sowohl auf dem Smartphone als auch die Desktop-Version der AZ-Veranstaltungsübersicht machen alles andere als Spaß – funktionieren tut hier nichts. Vor und zurück … wir finden einen Regionenfilter auf der Handy-Version: Von Achberg bis Zusmarshausen. Wir setzen auf »Augsburg«. Ein zweiter Filter für Kategorien: Auswahloption »––Alle––«. Wir drücken wieder auf »Suchen«. Ergebnis: »Die Suche ergab keine Treffer«. Wir beobachten das weiterhin oder sind für Rückmeldung offen und korrigieren dann gern dieses Urteil.

Hinweis: »Das Kultursozialticket ermöglicht den von der Augsburger Tafel e. V. anerkannten bedürftigen Bürgerinnen und Bürgern zum symbolischen Eintrittspreis von 1 Euro die Teilnahme an Veranstaltungen und Zugang zu Institutionen und Museen.«

WRLIA möchte mehr Augsburg im Netz:

Wiederkehrende Termine 
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Augsburger Parteien im Netz
Augsburg-News-Telegramm
Augsburg – for Leasure and Pleasure

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Wir schreiben das Jahr 2015, es ist Sommer, ein Juli zum Schwitzen. Bundesweit geraten Menschen in Aufregung, weil der Katholiken geistige Kinder im Augsburger Bistum homophobe Informationsbroschüren via Tageszeitung verbreiten. Darin Worte wie „schwerwiegende Identitätskrisen“, „entgrenzte Menschen“ oder „10 Thesen gegen die Homo-Ehe“. Angela Merkel kichert.

Die kirchentreue Beilage erscheint unter dem Titel „Familienbunt”. Gefördert aus Steuergeldern des bayerischen Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Integration steht für die Einbindung von Personen, sozialen Gruppen oder ihre Verschmelzung. Auch Katholiken verschmelzen miteinander. Sie bekommen dann meist Kinder. Gründen eine Familie. Oder sie sind homosexuell, verschmelzen wie andere Gläubige auch. Sie kriegen keine Kinder, adoptieren welche oder kümmern sich um das Wohl der Kinder anderer.

Zurück zur Beilage: In Schwaben, Bayern und innerhalb kürzester Zeit verbreitet sich deutschlandweit eine Welle der Entrüstungen. In Augsburg, in Schwaben – es wird irgendwo in Bayern sein – ist man homophob, mutmaßen einige.

Bundesweit entsteht ein mediales Echo, dass dank namenhafter Publikationen innerhalb weniger Tage dafür sorgt, dass bei Google News Begriffe wie Augsburg, Katholiken und CSU mit Homophonie in den Suchergebnissen erscheinen. Augsburg und Homophobie verschmelzen. Auch dank der Augsburger Allgemeinen (AZ).

Die AZ ist eine der reichweitenstärksten Publikationen und genießt weit über die „Planungsregion Augsburg“ oft Deutungs- und Meinungshoheit in der Friedens- und Fuggerstadt. Sie ist mächtig. Zum Glück gibt es in Augsburg auch die Stadtzeitung, Facebook „& Co“. Hier hat sich die Diskussion um die Homophonie in Windeseile entzündet und im Land verbreitet. Dank der sozialen Medien.

Die AZ, eine der größten bayerischen Abonnement-Zeitungen war es, die im Juli diesen Jahres ermöglichte, dass homophobe Inhalte mit Brechts Geburtsstadt, Schwaben oder Bayern assoziiert werden, weil der Aufruf zur heterosexuellen Lebensgestaltung ihrerseits per Wochenendausgabe verbreitet wurde. Hauptsächlich im bayerischen Schwaben und Teile Oberbayerns.

Bisweilen konzentriert sich die mediale Aufregung (u.a. süddeutsche, taz, Stadtzeitung oder RTL) auf die Katholiken, deren Beilage und dessen Finanzierung, sprich Steuergelder. Es werden Namen der Verfasser und Förderer genannt – wer „Homophobie AND Augsburg“ in die Google-Suche eingibt, wird fündig. Niemand richtet Kritik an den Verteiler der Beilage oder Walter Roller, aktueller Chefredakteur der Zeitung.

Im Mai 2015 schreibt Roller in einem Kommentar zur „Ehe für alle“: »Der Widerstand gegen die Homo-Ehe, in der ja ebenfalls Menschen füreinander einstehen, hat weniger mit Ressentiments als vielmehr mit der Sorge vor einem allgemeinen Werteverfall und einer Auflösung der klassischen Familie zu tun. […] Wer, wenn nicht die Union, ist in der Lage, diesem Unbehagen mit rationalen Argumenten zu begegnen und den Modernisierungsprozess aktiv zu begleiten?«

Die Beilage ist eine der Katholiken. Ihr Inhalt „10 Thesen gegen die Homo-Ehe“ wirkt wenig modern. Die Beilage ist gefördert durch ein bayerisches Ministerium, geführt von Staatsministerin Emilia Müller, römisch-katholisch, verheiratet, zwei Kinder, CSU.

Um es deutlich zu machen: Wenn ich eine homophobe, sprich laut Sozialwissenschaften „menschenfeindliche“, eine jedwede Minderheit (oder Mehrheit) diskriminierende Meinung habe, sie formuliere und auf meinem Facebook-Account publiziere, offenbare ich meine irrationale Angst, mein ablehnendes Verhalten, meine phobische Störung oder schlicht die unbewusste Angst vor den eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen.

Homophobie galt einst auch als die Angst vor dem Mann, Angst selbst als zu wenig maskulin bloßgestellt zu werden, ein Machtverhalten, später als generelle Furcht vor Homosexuellen, Angst Heim und Familie abzuwerten, eine religiöse Furcht die vielfach bis heute zu großer Unmenschlichkeit führte, „wie es Furcht immer macht“. (George Weinberg). Diese Angst verbietet Menschen mitunter Erfahrungen mit Poesie, Kunst, mit Berührung oder Bewegung zu machen, da sie als verweiblicht gelten und unter (manchen) Männern darum tabuisiert sind.

Wenn ich homophobe Gedanken auf Facebook, Google+, auf meinem Blog oder via twitter publiziere, stelle ich damit noch keine Meinungshoheit her. Mein Einfluss ist gering. Die Diskriminierung durch den Mangel an Popularität und Aufmerksamkeit zum Glück beschränkt. In diesem Fall war es aber nicht nur eine regionale Institution Gläubiger, die ihre Meinung in Papierform verbreitet haben. In diesem Fall war es die Augsburger Allgemeine Zeitung (und die Allgäuer Zeitung), die diese Beilage transportierten – in Ihren Wochenendausgaben.

Ich schreibe weil ich mich fremdschäme für die Beilage, die AZ und die ministerialen Entscheider Bayerns. Für die Rückwärtsgewandtheit und organisierte Diskriminierung einer Minderheit, die noch immer um gleiche Rechte kämpfen muss, weil sie derart Publikationen auch weiter zu Menschen zweiter Klasse machen. Weil man sich asozial gegenüber anderen verhält. Egal ob es dafür Geld von CSU geführten Ministerien gab oder die Verbreitung für die AZ kostenlos war. Und ich lamentiere hier nicht über Werbeprospekte mit Grillfleischangeboten die Veganer verletzen könnten.

Bemerkenswert sind die sofortigen Reaktionen von SPD und Grünen. Ebenso die Nicht-Reaktionen der anderen Parteien. Für die CSU sei die Beilage des Familienbundes freie Meinungsäußerung. Äußerungen wie Homosexualität entspreche nicht dem Wesen des Menschen, eine Öffnung der Ehe für Homo-Paare könne zu Inszest führen. Alter Wein in gleichen Schläuchen.

Homosexualität soll bei 1500 Tierarten festgestellt worden sein. Religion wohl nur bei uns Menschen. Es gibt diverse Theorien (noch keine endgültigen Beweise) welchen Nutzen Homosexualität in der Evolution mit sich bringt. Doch sind die bisherigen Ergebnisse lesenswert. Lesenswerter als die „10 Thesen gegen die Homo-Ehe“ und evolutionstechnisch gegebenenfalls nützlicher als der Katholizismus. Letzteres ist mit einem Augenzwinkern geschrieben – ich habe durchaus einige katholische Freunde und bin inspiriert von ihrer religiösen Ehrfurcht.

Wenn ich selbst homophobe Broschüren verteile, gleich ob für oder ob ohne Geld, kann ich mich nur schwer von der Annahme befreien, selbst homophob denkend zu sein. Augsburg ist nicht homophob – eine Freundin aus Berlin erkundigte sich gestern in unserem Haushalt was denn in Augsburg los sei. Augsburg ist nicht homophob. Mitnichten sind es auch AZ-Mitarbeiter nie gewesen. Und schon gar nicht alle Katholiken. Es wäre schwachsinnig ein solches Signal zu setzen oder es zu denken. Das Signal aus Augsburg, dank homophober Religionsbroschüre, dank AZ-Wochenendausgabe, dank der bisher erscheinenden Beiträge in den bundesweiten Print- und Online-Medien ist ein unschönes, ein irritierendes Bild. In Augsburg, ich wiederhole mich, ist „man“ nicht homophob, auch in Bayern nicht, nicht in der CSU, nicht im Ministerium – es sind Einzelne die ihre Möglichkeiten missbrauchen um Überzeugungen zu verbreiten oder durchzusetzen.

Natürlich ist es müßig immerfort zu posten – entschuldigt diese Lehrstunden gegen Homophobie. Aber wie müßig muss es für Betroffene sein, in einer solchen Gesellschaft zu leben?

Für viele ist Sexualität – oder für die ewig Fortschrittsresistenten: sexuelle Orientierung – seit Jahren kein Grund zur Panik mehr. Doch das gilt nicht für alle. Auffällig ist lediglich, dass diese sakralen Panikmacher immer wieder in den selben politischen und religiösen Lagern auftreten.

Die meisten in Europa, in Deutschland, in Schwaben, ja in Bayern und auch Augsburg mögen ihren Frieden damit geschlossen haben das man sexuelle Orientierung nicht auswählen kann. Religion hingegen schon. Zeitungen und Parteien auch. Veränderung beginnt mit einer Entscheidung.

Ich wünsche weiterhin Mut.