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Am 12. Februar kommt die Bundessprecherin und sächsische Landtagsabgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD), Dr. Frauke Petry, nach Augsburg. Anlass ist der Neujahrsempfang ihrer Partei, der AfD im Rathaus. Sie wird ab 19.30 h die Festrede halten. Es formiert sich Widerstand. Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl sprach Petry Hausverbot aus, rein rechtlich ohne Wirkung. Petry legte Widerspruch ein und gewann. Aufmerksamkeit für die AfD aber auch für die Friedensstadt Augsburg, Dr. Kurt Gribl und den Initiatoren rund um die Gegenveranstaltung auf dem Rathausplatz. Alle namenhaften Medien im Land hatten über das Gribl-Petry-Gefecht berichtet. Die Augsburger Allgemeine ist heute mit einem Live-Stream auf Periscope dabei. Schon um 18.46 h will man 1.500 Menschen gezählt haben.

Der Anlass zur Aufregung gegen die AfD-Vorsitzende ist die grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob die AfD auf demokratischem “Boden” stehe oder eben nicht. Einige finden die AfD sei der NPD zum verwechseln ähnlich. Verbale Ausrutscher diverser Parteimitglieder lassen diesen Verdacht seit Monat weiter keimen. So hatte schon vor Gribl die LINKE Augsburg per Eilantrag verhindern wollen, das die AfD-Vorsitzende am 12. Februar im Rathaus sprechen dürfe, doch der Stadtrat entschied sich laut Augsburger Allgemeine, den Eilantrag gar nicht zu behandeln. Dafür hätte es keine rechtliche Grundlage gegeben, hieß es. Gribls Hausverbot kam erst im Anschluss. Sein Scheitern war nahezu vorhersehbar. Die AfD darf Petry ins Rathaus laden, sie wird somit ihren Vortrag halten.

In einer demokratischen Partei habe man nunmal ein Spektrum an Leuten, und in einer jungen Partei benötige man auch eben Zeit um eine Linie vorzugeben, erklärte Frauke Petry Ende Januar in der Polit-Talkshow Maisberger, die Verbalattacken mancher ihrer Partei-Genossen.

Petry ist an und für sich in Sachsen zuhause. Sie ist im Osten geboren. Das Abitur hat sie im Westen gemacht. Sie heiratete einen Pfarrer. Jetzt ist für sie die »Zeit für den Kampf gegen Links«. Das zumindest postete Dr. Petry im Januar 2016 auf ihrem Facebook-Account. Es hagelte über 5.900 Gefällt-mir-Angaben. Vielleicht deswegen lächelt sie sich souverän durch aktuelle TV-Shows.

Frauke Petry gilt laut SPIEGEL-Kolumne als eine Frau für Menschen mit Bestrafungsfantasien. Dennoch oder sogar deshalb erreicht diese Frau und die Partei der sie vorsteht die Menschen: Ihrem Facebook-Account folgen derzeit knapp 62.000 Fans. Frauke Petry stiftet unter ihren Anhängern glühende Gefolgschaft, heißt es oder geistige Brandstiftung. Manchmal bis die Häuser brennen. Auf einer AfD-Demonstration in Magdeburg im Januar diesen Jahres griffen Demonstranten mehrere Journalisten an. Unter anderem mit Pfefferspray. In Leipzig wurde auf einer AfD-Demo eine MDR-Reporterin von einer Frau geschlagen und verletzt worden, heißt es.

Der AfD Augsburg folgen aktuell 940 Facebook-Fans. Tendenz steigend. Die meisten Fans in Augsburgs Parteienlandschaft vereint bisher noch die CSU hinter sich: 2059. Laut der Bild am Sonntag würden 17 Prozent der befragten Männer in Deutschland die AfD wählen aber nur zwei Prozent der Frauen. Es bleibt die leise Hoffnung, das die Demokraten dieses Landes nur zur träge waren an der Umfrage teilzunehmen. Schlimmer wäre dieselbe Trägheit bei den anstehenden Wahlen – nicht nur in Sachsen-Anhalt, wo die AfD 20 Prozent der Stimmen erwartet. Der Einzug in die Landtage der AfD ist demnach ab März vorhersehbar. Es gibt die Vermutung, dass wenn die bisher etablierten Parteien bis März ein Lösung zum Thema Einwanderung bzw. Flüchtlingskrise formulieren könnten, gäbe es somit auch die Hoffnung auf Wählerstimmenabfluss bei der AfD. Diese besetze, so manche Experten weiter der Meinung, sei eine Ein-Themen-Partei und signalisiere nur in einem Bereich alternative Ansätze zu einer “Lösung”. Unabhängig davon ob gut, schlecht oder menschenunwürdig. Auf der anderen Seite wirkt keimende Angst vor Überfremdung, nicht zuletzt auch durch die Medien ganz sicher mit fociert. Die Schattenseite des Wohlstandes – Globalisierung – tut aktuell ihr Übriges: Angst vor stetiger und immer rasanterer Veränderung. Zu schnell, zu viel, überfordert. Das kann man ignorieren, ist aber wenig hilfreich. Dann kann der Rechtsstaat in Köln die Bürger nicht beschützen – ein gefundenes Fressen für die Medien, auch für die AfD. Und eine Gesellschaft übt die Schockstarre.

Petry gibt der viralen Skepsis gegenüber den großen Volksparteien ein Gesicht das zunehmend Wählerstimmen gewinnt. Vielleicht weil dem Rest der Parteien ein schlüssiges Gesicht oder Gegenargumente fehlen, steht in den Kommentarspalten der Nachrichtenportale geschrieben. Petry gelte als pragmatisch, klug, sie spricht englisch und französisch. Sie war Unternehmerin. Sie glaubt, dass die Energiewende Deutschland deindustrialisiere, das der Islam eine Bedrohung unseres Wertesystems sei. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind für sie lang noch keine Ehen, werden es ihrzufolge auch nicht werden. Erst kürzlich wollte ihre Partei Homosexuelle in Thüringen zählen lassen. Sie empfiehlt eher die Drei-Kind-Familie für den Fortbestand der Bevölkerungszahl.

Die vierfache Mutter wird inzwischen als die deutsche Sarah Palin gehandelt. Sarah Palin ist eine gescheiterte Polit-Existenz aus den Vereinigten Staaten und feiert ihr »Comeback« als Unterstützen des US-Republikaners Donald Trump bei dessen Präsidentschafts-Wahlkampf. Auch Petry zeigt sich gern mit handverlesenen Populisten – so gehe sie schon mal sächsische Kartoffel-Suppe mit Thilo Sarrazin essen, schreibt die ZEIT. Sarrazin ist Autor des 2010 publizierten Buches »Deutschland schafft sich selbst ab«.

Dennoch: Die AfD erhält mittels Wählergunst im Zweifelsfall schon in Kürze eine nicht unwesentliche Menge an Mandaten in deutschen Landtagen. Es ist also gut die Sache mit der Alternative für Deutschland richtig zu verstehen und also ein Auge auf Sie zu werfen und zu begreifen, was die Alternative sein wird.

Am 13.03.2016 sind die nächsten drei Landtagswahlen. Laut Umfragen bekäme die AfD in Baden-Württemberg 11%, Rheinland-Pfalz 9% und in Sachsen-Anhalt 15%. In Sachsen-Anhalt würde sogar die NPD auf 6% der Wählerstimmen kommen. Bundesweit käme die AfD auf 10% und wäre damit zur Zeit drittstärkste politische Kraft im Land. CSU-Chef Horst Seehofer äußerte bereits seine Bedenken im Hinblick auf die Bundestagswahl in 2017. Schafft die AfD 2017 den Sprung in den Bundestag, dann mischt erstmals seit 1947 rechts von der Union eine demokratisch legitimierte Partei mit. In Bayern wählen wir erst in 2018 einen neuen Landtag.

Ihren Auftrieb gewinnt die AfD u.a. durch die Ungeduld von Wählern in einer europaweiten Flüchtlingskrise, deren Lösung nicht morgen schon zu finden sein wird. Die Griechenland-Krise verlieh dieser Partei einst ähnlichen Auftrieb. Der Syrienkonflikt und seine Folgen wirken ähnlich.

Uns geht es nicht um hohles Phrasendreschen, nicht um Zynismus, schon gar nicht darum Angst zu machen oder jedweden Dialog mit AfDlern zu verhindern – im Gegenteil. Wir möchten unsere Leser dazu anhalten, einmal mehr die eigene Meinung zu überprüfen, auch die Alternativen und ihre Konsequenzen. Von den Parteien wünschen wir uns eine harte argumentative Auseinandersetzung mit der AfD, statt Stigmatisierung oder Ausgrenzung (aus TV-Runden und Rathäusern) und sie nur mit “rechts” abzutun. Nur müssen wir Wähler das auch bei den Parteien einfordern – zuweilen wirken wir alle doch recht lethargisch, stumm oder maximal beobachtend. Kritik üben ist auch zu einfach. Die sozialen Medien dienen hier wunderbar dem direkten Dialog mit der Politik – die Augsburger Parteien auf Facebook & Twitter hier:

http://bit.ly/1IaqmIL

Und die Mahnwache gegen Rechtspopulisten am 12.2.16, 18.30 h auf dem Augsburger Rathausplatz.

#afd #Augsburg #mahnwache