CSUler*innen? Nein, danke!

Die CSU findet den Gender-Wahnsinn der Grünen »total irre« und ruft ihre Klientel auf, den politischen Widersachern auf Facebook eine Absage zu erteilen. Und wenn man die CSU so verstehen mag, dann ist sie auch gegen den von Grünen geforderten Vegetarismus, die Legalisierung von Cannabis und das Verbot von Plastikmüll. Zumindest wenn man die Aussagen der CSU verkürzt, so wie sie es selber gerne tut. So lädt die Partei auf Facebook ein, der Grünen-Politik eine Absage zu erteilen, durch das Drücken des »Gefällt mir«-Buttons.

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Liebe CSU, wieso die Wähler für so dumm verkaufen? Ist denn was die Grünen da fordern dümmer als das was sie ihren Wählern an Wirksamkeit glauben machen wollen? Was ist Gender-Wahnsinn und was ist total irre? Die Legalisierung von Cannabis? Dann erklären Sie bitte auch, was am legalen Alkoholkonsum gut ist. Die Langzeitfolgen auf das Gesundheitssystem oder die Steuereinnahmen?

Natürlich: Die aufgegriffene Thematik der Grünen-Politik wird von der CSU genutzt, um heilige Klickzahlen zu generieren und um sich durch das Vorführen zu profilieren – das womöglich gut gemeinte, womöglich aber nicht praktikable (?) Ansinnen der Grünen wird jedoch gar nicht erörtert. Es muss doch bei den Grünen einen Grund geben, der wiederum ein paar (?) Menschen betrifft. Oder warum fordern die außerdem ein Plastiktütenverbot?

Wenn eine Partei uns zu einer Handlung motivieren will, sei sie auch noch so banal wie ein Mausklick, sollte sie dann nicht kurz erklären wieso wer klicken soll? Oder sollten wir einer Partei blindlings folgen, die uns nichts erklärt? Werfen Sie einen Blick in den News-Feed der AfD.

Sie halten ihre Wähler eventuell entweder für ultra-schlau (die wissen immer was wir meinen, den müssen wir nichts erklären) oder dumm (die klicken sofort). Herleitungen, Erklärungen oder Begründungen scheinen Ihnen überflüssig. Nein?

Natürlich wissen wir aus eigener Beobachtung, dass Medien- und Informationskonsum heutzutage unter allgemeiner Verkürzung von Tatsachen am besten funktionieren, da wir Menschen zu schnell durch unsere News-Feeds fingern. Und mit schönen Bildchen und großen Sprüchen möchten Sie ein Stückchen Aufmerksamkeit erhaschen. Und sei es auf Kosten Ihrer politischen Konkurrenz (die Grünen sind hier nur ein austauschbarer Platzhalter), statt durch eigene Inhalte.

Das man Aufmerksamkeit erhält, in dem man andere denunziert, und sei es statt einer Person nur eine Partei, wissen wir seid den Pegida-Demonstrationen.

Hinter dem Gender-Ansinnen der Grünen, wenn man denn denken möchte, könnte sich beispielsweise ja die Grundsatzfrage nach Gleichberechtigung in der Sprache verstecken. Ein sehr müßiges  – keine Sorge: das Thema wird niemals viral – aber womöglich notwendiges, weil immer noch ungerechtes Thema. Und das ist ja erstmal nicht irre, sondern sehr nett (sich für Gerechtigkeit einzusetzen oder für Umweltschutz; wenngleich das langweiliger klingt als kontrollierte Flüchtlingsströme oder Obergrenzen).

Leider (?) sind uns zu wenig Frauen bekannt, die unter der Ungerechtigkeit unserer Sprache so sehr leiden das sie dafür auf der Straße protestieren mögen oder leider auch niemand persönliches, der für die Legalisierung von Cannabis oder das Verbot von Plastiktüten auf die Straße ging.

Was ist ihr Vorschlag für eine Lösung – in welchem Feld auch immer? Ist es denn nicht zumindest ein klein bisschen vermessen, die Gleichberechtigung der Frau in der Sprache, selbst wenn nur in der Theorie, als »total irre« abzutun? Nein? Oder die Legalisierung von Cannabis? Oder wieso greifen Sie nicht auf, welche Gründe es für weniger Fleischkonsum gäbe (Verringerung der industriellen Fleischerzeugung zugunsten unseres Klimas?) oder die Gründe warum sie weiterhin dafür sind? Es ist leicht zu urteilen und zu sagen, ein Veggie-Day bringe nichts, sei irre. Doch was bringt uns kein Veggie-Day? Warum nicht weiter-denken?

Sprich, wieso wird nicht kurz erklärt, warum überhaupt die Forderung der Gender-Regel (oder welche der Forderungen auch immer) für irre gehalten wird aber auch welche Folgen eine solche Neuregelung hätte? Es gibt Argumente gegen die Änderung, Argumente warum man bei Alnatura Lebensmittel nicht in Papiertüten steckt. Es gibt für alles Gründe. Und wenn Sie ein Thema anfassen, dann seien Sie sorgfältig und nicht so faul! Da erst wird es doch spannend und erst dann werden Sie selber angreifbar und kommen hinter dem Ofen hervor. Wir brauchen doch politische Diskussionen – grade heute, grade in diesem Land. Geben Sie uns allen eine Chance mitzudenken. Erst das würde doch Sinn ergeben oder Ihre Aussage, irgendetwas sei »total irre« erklären. Nein? Und wenn Sie das Thema für eine politische Auseinandersetzung für zu banal halten, wieso greifen Sie das dann auf (um sich dennoch auf einfachstem Wege zu profilieren)? Gähn. Glauben Sie wirklich das Demokratie so erhalten bleibt? Indem wir sie nicht mehr üben? Und was ist mit der humanistischen Gesellschaft? Alles Irrsinn?

Das »Total irre« könnte irgendwie (zu) einfach (gemacht) wirken. Ganz unabhängig von der Praktikabilität der von den Grünen geforderten Schreibregeln, die man natürlich eigenständig bewerten kann. Sogar sollte. Aber verdammt noch mal: Es geht hier ums Prinzip. Um diesen schönen Anlass den Sie uns geben.

Wieso nehmen Sie uns als potenzielle Wähler hier draußen diese ganze inhaltliche Spannung der politischen Diskussion und sprechen stattdessen derart <em>flapsige</em> Urteile: »Total irre«. Ja was genau?! Plastikverbot, Gleichbehandlung, Vegetarismus, Legalisierung von Drogen … Das ist nicht irre, allenfalls die Formate der Ideen vielleicht manchmal ganz schön sperrig und wenig praktikabel – zugegeben. Aber was sind denn Ihre Ideen?

Mit Verlaub: Von einer so alten Partei wie der CSU darf man sich doch mehr Auseinandersetzung oder Lösungskompetenz wünschen. Natürlich sind Gender-Fragen, Umweltverschmutzung oder Drogenabhängige keine Themen, mit denen man aktuell besonders in der breiten Masse der Wähler punkten mag. Immer auf prosperierende und wachsende Wirtschaft zu setzen, Wirtschaftswachstum für immer – Sie wissen schon wie »irre« das ist. Total irre.

Irre ist es sicher auch, sich dieser Sache heute hier in dieser Ausdehnung zu widmen. Nicht? Wissen wir wohl. Macht ja auch ein bisschen Spaß, jemandem mal auf die Finger hauen. Sie widmen sich der Sache ja aber auch. Und die Grünen auch. Richtig? Und wir alle profilieren uns dadurch: Die Grünen mindestens bei einem Teil ihrer weiblichen Wählerschaft, die CSU als Justiziarin der deutschen Rechtschreibung und wir Hansen profilieren uns durch diesen viel zu lang gewordenen Kommentar wiederum bei unseren Leser*innen.

Und wissen Sie was, wir haben noch eine kleine Keule, die zu schwingen Spaß macht und da Sie auch Spaß mögen und Keulenschwingerin zu sein scheinen:

Haben Sie aktuell nichts anderes zu lösen, als dieser Grünen-Forderung Aufmerksamkeit zu widmen? Ist es nicht schon unsererseits idiotisch, sich diesem Irrsinn (gemeint ist Ihr Bild) gewidmet zu haben? Wenn ja, halten Sie uns zukünftig davon ab, Politik ernst zu nehmen die sich so schwachsinnig in eine Auseinandersetzung bewegt und drücken Sie schnell das Gefällt-mir. Wenn »NEIN«, geben Sie sich mehr Mühe Ihre Meinung und oder Ihre Forderungen zu erklären. Bitte. Und danke für den Anlass.

Gruß aus Augsburg

We really live in Augsburg

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