Archiv

Archiv für den Monat Oktober 2015

Unter den Artikeln der Online-Medien zur Flüchtlingskrise finde ich Sehnsüchte – sie, die Sehnsüchte, treiben dort aufregende Stilblüten. Sehnsucht nach Vergangenheit blüht jetzt vielerorts wie Unkraut. Doch findet man Vergangenheit nicht in der Gegenwart. Egal wie sehnsüchtig wir uns wünschen das alles bleibt wie es einmal war. Daran wird man auch in Erfurt und Dresden nichts ändern können. Die Veränderung kommt bekanntlich immer und ist beständig. Und da wird es aktuell vielen zu bunt. Wie schön wäre jetzt eine Zukunft nur für uns allein, die man nicht teilen müsste mit denen aus der Fremde, die grade nach Zukunft suchen und sie in Deutschland zu finden hoffen? Ist es das, was manche denken?

Gebt mir Zukunft. Mir, nicht denen die aktiv danach suchen, lese ich in den Kommentaren. Ich sage das so. Um Verständnis zu signalisieren – für die Suche nach Zukunft. Nicht für ihre Worte! Die sind … alarmierend. Perspektivlosigkeit muss einem den Atem rauben, das Lebensglück oder vermutlich sogar Hoffnung. Und die einzigen mit denen man diesen Zustand teilen könnte, sind die Fremden die durch die Grenzzäune sickern und dasselbe suchen: Zukunft oder Lebensglück. Und man ahnt – so weit wie die schon gelaufen sind, haben die das Zeug hier eine Zukunft zu finden. Aber man selbst? Vielleicht gesellt man sich da lieber zu den Pegida- und AfD-Menschen. Die sprechen zumindest die eigene Sprache. Denen scheinen die meisten Wege auch zu weit. Denen fehlt auch das Zeug zur Zukunft. Die lieben sogar Vergangenheit: Statt einem grenzenlosen Europa, wünschen die Ländergrenzen und die auch noch möglichst geschlossen. Weitsicht ade. Problem ungelöst. Aber aus Angst und Lösungsinkompetenz rennt man ihnen wohl mit kalten Füßen und Kerzen in den Händen sehr gerne hinterher.


Welch blühende Ironie, Sarkasmus, Zynismus machen sich in den Kommentarspalten unter den Artikeln zur Flüchtlingskrise breit und geben uns als Gesellschaft das Zeugnis ausgezeichneter Wohlstandshüter? Besitzen, verteidigen und wenig bis gar nichts abgeben. Von unseren Spielplätzen im Frieden, von unserer ärztlichen Versorgung für jeden, von unserer Herzlichkeit. Keinen Gedanken sich der Situation zu stellen, das Beste herauszuholen, sich zu engagieren, andere zu unterstützen die wissen wie man Perspektiven findet und Probleme löst. Erfahrungen statt Urteile sammeln für etwas das man nicht lösen will. Statt Galgenhumor und Mordgelüsten. Was für schreckliche Worte die Angst produziert. Zudem Defarmierung von Politikern, Flüchtlingen, Medien – der Gesellschaft und somit auch derer die helfen die Not im Inn- und Ausland zu lindern. Natürlich, die Bundesregierung könnte mehr Aufklärungsarbeit leisten, mehr Transparenz schaffen, den Ängsten begegnen. Wir alle könnten mehr.

Was mehr sind wir, als die Hüter des Reichtums, als selbstgefällige Fratzen die als kleine Phrasendrescher unter die Kommentar-Publizisten gegangen sind? Milliarden für die Finanzkrise waren wir bereit zu investieren, wenngleich gefühlt auch nur als Opfer. Ich habe die Finanzkrise schwerlich verstanden. Ein paar Millionen für Menschenleben hingegen lassen uns aber die Nerven verlieren. Obgleich diese Krise umso vieles leichter verständlich scheint und so viel schwerwiegender ist. Wer will behaupten er sei noch Mensch, der so gegen Menschen ist, gegen das Teilen, Helfen, Verstehen und Sorgen? Der Grenzen zieht, doch sich selten fragt was er oder sie getan hat, für das, worin er oder sie lebt, außer es zu genießen: Sicherheit, Warmwasser, ein paar Schuhe, Familie, James Bond und Zucker im Tee.

Wir sind Gesellschaft, sind das System, wir sind die Medien, sind Mutti, sind alle etwas Merkel oder Maas, Europa oder Exporteure militärischen Geräts. Und wir alle sind Pegida, wenn wir sie ausgrenzen, abstoßend finden und verurteilen ohne den Konsens zu suchen. Wo sind wir besser? So leicht kommen wir da nicht raus. Wir sitzen gemeinsam in der Komfortzone.

Wir haben Werte. Dafür gibt es Gründe und viele blutige Geschichten. Dafür gibt es leider keine Festung und keine Grenze. Diese Werte sind schutzlos, immer dann, wenn wir sie nicht verteidigen. Es ist leicht zu sagen, man könne nichts tun. Doch es befreit nicht und es stimmt nicht. Wir alle sind Angsthasen oder Faulpelze, so lange wir keinen Teil zur Lösung beitragen.

We really live in Augsburg auf Facebooktumblrtwitter

Die Lechkloake, wie Thomas Bernhard sie nannte, ist meine Heimat. Mein erster Eindruck: Kleingeistreguliert und konservativ – die Stadt, die Menschen und ihre Schwäbische LandeszeitungAugsburg ist Renaissance ohne Spätis zum Einkaufen nach Feierabend. Eine CSU-regierte Kommune ohne U-Bahn. Baustellen nie ohne Archäologen. 70 Chöre aber im Stadion nur Gesang zum Fußball. Osram, MAN, Rudolf Diesel kennt man und den Goldenen Saal, der es in die Top-100-App der beliebtesten Reiseziele in Deutschland gebracht hat. 

20470141380_2a7aef17e0_k

Die Fuggerstadt die gar nichts hat, dachte ich. Dabei gibt es sogar Piraten hier, – mit weniger unheimlichen Werbeplakaten – in der Stadt an der Romantischen Straße. Die Lechkloake, die Brecht-, Mozart-, Friedens-, Renaissance- und Freie Reichsstadt. Nebst Trier und Kempten älteste Stadt Deutschlands. Deutschlandweit mit den meisten Feiertagen dank Hohem Friedensfest. Mit Gratis-WLAN in den Bussen. Nach München und Nürnberg, drittgrößte Stadt Bayerns. Martin Luther, Wolfgang Mozart und der Berthold haben hier gelebt. Martin und Wolfgang sind aus verschieden Gründen geflüchtet. Ursprünglich römische Provinzhauptstadt – Augusta irgendwas. Gegründet 15 v. Chr. Um die 2.000 Jahre soll diese Siedlung sein. Kein Wunder das überall Baustellen sind. Wird was auf- oder abgerissen, rücken die Archäologen mit ihren weißen Zelten an. Erst danach die Bauarbeiter. Und jetzt komme ich aus Hamburg und schreibe für die erste Augsburger Blogparade. Weltkunst zum Nulltarif. Aber: Wehe denen, die nicht geforscht haben und doch reden. [B. Brecht]

Augsburg liegt in Schwaben. Wo das ist, wissen in Hamburg wenige. Das ist nicht Bayern, nicht Franken und auch nicht Californien. Das ist Puppenkiste und FC Augsburg. Ich kam wegen eines Jobs nach Bayern. Zunächst nach München. Dann aber der Liebe und der Münchener Mietpreise wegen nach Augsburg. Angela Merkel kam wegen Kuka. Thimothy Donald Cook, bekannter als Apple-Konzern-Chef Tim Cook, kam, weil der Auftrag zu den Fassadenscheiben für seine neue Firmenzentrale in Cupertino Californien in Gersthofen Schwaben bei der Firma Seele landete. Die Presse schrieb der Einfachheit halber „in Augsburg“.

Mein Facebook-Account behauptet ich hätte 50 “Freunde” in Augsburg. 50 Augsburger mit denen ich angeblich sympathisiere. Seit meinem Zuzug in die Fuggerstadt durfte ich unglaubliche Gastfreundschaft an vielen Esstischen genießen, keine Spur von Grantlern, den angeblich bärbeißigen Pessimisten oder Skeptikern. Das müssen Grantler, Pessimisten und Skeptiker erfunden haben. Die Augsburger die ich kenne schmeißen beim Lachen ihren Kopf in den Nacken und klatschen dabei in die Hände. Ihr Humor ist viral. Ihre Offenheit gegenüber Ausländern wie mir und denen die stetig hinzukommen ist erwähnenswert. Ich habe Yoga mit ihnen gemacht, Wein und Whisky mit ihnen getrunken, getanzt, gegrillt, gejoggt, über Heimat, CSU, Grüne, Braune oder Netflix-Serien gestritten – Meinungen, gab es, Positionen aber Grantler?

Wenn man die Augen (und Ohren) öffnet, seine Komfortzone verlässt, wird Augsburg nicht größer aber schnell Rokoko, monumental, eine Verfeinerung unseres höfischen, oft anspruchsvollen Lebens. Die Stadt kommuniziert, zugegeben, oft wie ein Zweitausendjähriger – kein gesteigertes Repräsentationsbedürfnis, hier bleibt für Zugezogene und Ortsfremde vieles auch auf den zweiten Blick ein Geheimtipp. Und wohl nicht nur für die. Die Stadt pulsiert, sie lebt und sie verändert sich. Man kann das wahrnehmen. Nicht nur an den Baustellen – ständig wird die Stadt korrigiert, um der Bürger Liebe nicht zu verlieren. Wenn auch nicht so schnell wie in Leipzig oder in München. Eher mit Bedacht und Vorsicht, sich die alten Knochen nicht zu brechen, bewegt sich diese Stadt wie eine Schnecke durch die Gegenwart. Oder wie Helmut Schmidt Politik machte: In kleinen Schritten. Gar nicht so dumm. Sehr erfahren, die 2.000 Jahre alte Stadt. Macht einen wahnsinnig manchmal, wenn man sieht was los ist an Kreativität die aus den Menschen quillt, an Ideen für ein zukünftiges Augsburg – heidenei! Nur gibt es keinen Chief Listener im Stadtrat. Brecht ist schon tot und eine organisierte Bürgerinitiative next Augsburg existiert noch nicht. Und Oberbürgermeister Gribl mangelt es an Mehrheiten um Schlagkraft zu entwickeln. Aber dafür ist Augsburg bekannt: Für seine Vielzahl an Minderheiten.

Konditoreien sind los, in der Architektur ist was los, Graffiti ist wenig los (und wenn, dann vorab genehmigt), dafür lose homophobe Zeitungsbeilagen, Kirchenchöre, bald ein Innovationspark, eine paradiesische Gastronomie und auffällig viel soziales Engagement ist los. Und kulturell ist Augsburg ein dickes Los: Filmtage, Musikpicknick, Mozartfest, Automatic Open, Brechtfestival, Festival der Straßenkunst, eines für improvisierte Musik, für Schauspiel, die Kultürtage, dem Medienkunst-Festival Lab30, Wohnzimmerkonzerte, der Internationale Jazzsommer, Ballettgala, 17 Jahre Poetry Slam, Literatursalon, Puppenkiste, Kabarett, Jazzclub, die Kunstnacht, das Friedensfest, das STAC-Festival, der Tag des Denkmals … die andere Hälfte vergesse ich immer. Vielleicht hat das Gründe. Vielleicht geht die andere Hälfte für mich auch gar nicht. Wer Alphorngruppen, Posaunenchöre oder Drehorgelorchester bevorzugt, dem empfehle ich mindestens den Christkindlmarkt, dazu Rahmflecken, Schupfnudeln und ein paar Schnäpperken. 

Festival für Schauspiel in Augsburg

Das Stadtmarketing fokussiert sich auf die üblichen Verdächtigen: Wasserspiele, Prachtbrunnen, UNESCO-Welterbe, Renaissancestadt sowie Fugger und Welser. Hat immer funktioniert. Und man fährt Kampagnen mit Titeln wie Gassenhauer: „Und jetzt kommst du“.  Eine Kampagne, mit der die Stadt mehr Besucher anlocken will. Es gäbe bereits positive Signale für einen Erfolg. Weitere Kampagnen: “Kauf vor Ort weil deine Stadt alles hat” oder “Lass den Klick in deiner Stadt”. Letzteres heißt übersetzt: Kauft bei Bücher Pustet, nicht bei Amazon. Schuhe bei Beitelrock, nicht bei Zalando. Wenn ich mir jedoch die Webseiten diverser Augsburger Einzelhändler anschaue, kommen mir Zweifel auf, ob man dieselben vor der Aktion beraten hat – wie man virtuell einen Klick erzielt, statt ihn zu verlieren. 

Geschmacklos.

Zudem redet man gebetsmühlenartig vom Blick auf die Decke des Goldenen Saales, dem Perlachturm, dem Rathaus, der sogenannten Prachtmeile Maximilianstraße – auch Einkaufsboulevard. Man wirbt mit Christkindlmarkt, Krypta von St. Afra und Ulrich, Fuggerei, Planetarium, Zoo oder Plärrer. Letzteres für Menschen, denen die Wiesn zu groß sind. Meine 50 Facebook-”Freunde” findet man an diesen Orten selten. Das meiste davon habe ich mir angeschaut – ich kann meine “Freunde” verstehen. Neulich waren wir im Kunstmuseum Walter. Das Wort “langweilig” beschriebe nicht die Leidenschaftslosigkeit mit der uns die Kunst präsentiert wurde. Relevanter und vielleicht sogar zugänglicher mögen hier die Ausstellungsformate des tim – Staatliches Textil- und Industriemuseum oder des Maximilianmuseums sein.

20680369455_1131300957_k

Macht man die Augen auf, getrieben von ehrlicher Neugierde, kann man über schlecht präsentierte Kunst und oder Kultur kraftvoll hinwegsehen. Und wenn die Augen erst einmal offen sind, springt einem die Stadt mit ihrer Vielfalt in die sprichwörtliche Fresse. Man muss nicht mit dem Goldenen Saal beginnen um die Stadt zu entdecken. Die Golden Glimmer Bar tut es auch. Da gibt es die vielleicht besten Cocktails der Stadt, eine Menge gebürtige Augsburger, Zugereiste und ihre Gäste. Und dort kann man besprechen ob die Maximilianstraße Prachtboulevard ist oder nur prächtig für die bis zu 600.000 Bienen auf dem Dach des Hotels Drei Mohren. Im Puristen gibt es auch beste Cocktails aber auch Prachtboulevard.

21633894478_c737414f91_k

Um Augsburg kennen und lieben zu lernen, würde ich ohnehin immer via der Zimmer-Vermittlungs-Plattform airbnb absteigen, um eine der faszinierenden Wohnungen dieser Stadt vom Bett aus betrachten zu können und morgens mit Augsburgern zu frühstücken. Es sei denn man hat Freunde. Freunde in Augsburg. Und wenn es ein Hotel sein muss, dann eventuell mal das Grandhotel Cosmopolis? Da hat man Biergarten, Kulturangebot, engagierte und hilfsbereite Menschen, den Ausblick auf den Dom und Gaumenfreuden an einem Ort. Und für einen guten Kaffee oder ein hausgebackenes Stück Kuchen zahlt man, was man zu zahlen bereit ist.

Grandhotel Cosmopolis

Grundsätzlich ist Augsburg eine Ansiedlung vieler Gaumenfreuden – wer kein Sport treibt, möge eines Tages platzen: Frühstück im Striese, im City Club, mit einem Auto vielleicht sogar bei La Boulangerie. Danach einen köstlichen Blick auf das Schwaben-Center nebenan. Wer dann das dringende Bedürfnis nach Natur verspürt, den verstehe ich. Lech, Lechauen, Mittelbach, Siebentischwald, Wertach oder der Hofgarten nahe dem Stadttheater geben dem Städter Seelen-Ruhe. Wer Ruhe bei Tieren findet, geht statt in den Zoo zur Abwechslung in den Eselgarten.

Hochablass

Bei frischer Luft denke ich wieder an Hunger. Auf die Hand, zumindest in der Altstadt, Essen aus der Bosna Stube! Wenn am Moritzplatz, bei Razz-Fazz Fingerfood. Wenn am Kö, im Cigköftem. Vielleicht ist einem auch nach Mittag in der Theaterkantine, Sushi im Kigiku oder noch besser: Falafel im Shu Shu. Schmeckt wie Berlin Kreuzberg. Weniger gut: Die Stadtkantine der Ämterzentrale. Sie bietet jedoch den kostenlosen Ausblick für den man im Perlachturm wiederum Eintritt zahlt.  

Blick vom Perlachturm

Nach dem Mittag ist mir nach Bewegung. Shoppen ist ein guter Sport, wie ich finde. Für mich Pflicht: Buchhandlung Am Obstmarkt – wenn man Bücher nach dem Äußeren beurteilt. Und dann nach dem Inneren. Der Kolonialwarenladen – wer Essen, Trinken und Bücher gleichsam zu seinem Lebenselixier zählt, sollte hier nicht hingehen. Wer gerne kocht, auch nicht. Isle of Skye – wer gerne Spirituosen kauft, keinesfalls aufsuchen! Oelkrug Hemden – wer man sich einmal im Leben ein echtes Hemd leisten will, bloß nicht. Anjy’s Haferl – Antikes, für das man keine Kreditkarte benötigt. Nr.7 – für Hedonisten. Die aufgezählten Läden führen einen in die besten Einkaufsgassen der Stadt. Zusammengenommen führen sie auch in den finanziellen Ruin. Ich bin glücklicher Weise trainiert im “Danke! Ich-schaue-nur.”

Shopping ist erschöpfend und für den Zuckerspiegel empfehle ich darum die Kuchen im Dichtl, Euringer oder – wer einen Spaziergang mag – im Cafe Schenck. Etwas im Abseits gelegen. Für den Kaffee würde ich dann auch in das Il Vicolo zurückkommen. Ja das würde ich.

Zuckerkunst im Dichtl

Um den Gourmets dieser Metropole auf die Schliche zu kommen, klickt man sich als Ortsfremder einfach durch das Gastro-Ranking von tripadvisor, Yelp oder bei Michelin im Internet. Teils nach Bewertung sortiert, lohnt der Blick auf die Kommentare unter der jeweiligen Gastro-Empfehlung. Die persönliche Auswahl sollte nicht nach der Bewertung der User, dem Ranking sondern nach eigenem Gefühl geschehen. Es gibt viele gute Adressen, da dieselben jedoch weniger populär sein können, haben sie mitunter weniger Kommentare oder Punkte und erscheinen erst weiter unten im Ranking. Dieselbe Recherche empfiehlt sich für das Abendessen – ich bin außerstande die Gourmet-Tipps der Stadt für Fremde zu priorisieren. Viele sind eine Gefahr für die Figur. Je nachdem welcher Altersklasse man angehört. Vielleicht also lieber Augsburger Hotspots mit veganen Gerichten auf der Speisekarte: Damn Burger, Striese, Die Extraveganten, K41 oder Cafe Dreizehn. Die Maximiliansklause möchte ich nicht empfehlen, um hier weiterhin Ruhe, kein Schi Schi und knusprige Schnitzel zu bekommen.

Als Wahl-Hamburger hatte ich in Augsburg viel Zeit damit verbracht, nach Nachtlokalen zu stöbern. Durch das Hörensagen, Internet und offline vor Ort. Ich liebe Kaschemmen – Kneipen, wo Fremde jeglicher Couleur zusammenkommen, unvoreingenommen, keiner Community angehörig, eher willkommen weil fremd. Egal ob alt, Hipster oder multiple Persönlichkeit. Musik nur gegen Münzgeld aus der Musik-Box. In Augsburg habe ich keine Musikbox gefunden. Dafür das Hallo Werner, das Prager Stüberl, die Haifischbar und das Victor. Kennenlernen möchte ich noch das Kreuzweise und The Drunken Monkey. Katharinas Treff könnte mir auch passieren. Ein Besuch dürfte den Horizont erweitern.

Wenn man auf Horizonterweiterung steht, kann man ja Kultur wie Drogen einsetzen. Sie wirkt berauschend. Berauschende Kultur bekommt man unter Garantie im Neruda, Savoy oder der Kresslesmühle. Das örtliche Stadttheater berauschte mich bisweilen nicht. Mag sich ändern. 

Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir Augsburg. Sein Bienenstich, der Datschi, die Geschmacklosigkeit in den Schaufenstern oder die Lieblosigkeit der Hipster gegenüber dem Hipstertum. In dieser Stadt geschieht etwas. So auch mit mir. Ich beginne Kirchen brilliant, innerstädtische Diskussionen um Bürgerentscheide dramatisch zu finden. Ich halte ein Grillen im Flußbett des Lechs für nacheifernswert. Keinen Bartschneider empfand ich als so professionell wie meinen türkischen Friseur in der Wertachstraße oder nichts außer dem Yoga so herrlich entspannend wie Frozen Margaritas im halben Liter vor der Rathaustür zu trinken. Und selten habe ich Menschen so offen und engagiert erlebt. Ich denke an das Übergepäck eines Flüchtlings, das Contact, das Cafe am Milchberg oder das Grandhotel.

Man möge mir nachsehen, das diese Stadt viel mehr bietet als ich zu ahnen vermag und es darum hier nicht stehen kann. Unterstützung willkommen.

von Marc Alexander Holtz
@ Facebook, Google+, Instagramm, LinkedIntwitter, Xing oder im Netz

We really live in Augsburg auf Facebook, tumblrtwitter